Beethoven Deep Dive – mit Kit Armstrong & Jan Caeyers | Folge 3
Shownotes
Tief unter die Oberfläche der schönen Töne und des vielbeschworenen ›Mythos Beethoven‹ hervordringen: Das ist das Lebensthema von Kit Armstrong und Jan Caeyers, die sich gemeinsam dem Werk von Ludwig van Beethoven widmen. Ihre Konzertserie »Beethoven27« startet als Zyklus aller Sinfonien und Klavierkonzerte im Festival 2026 und dauert ins Jubiläumsjahr 2027 fort. Begleitend zu den neun Konzerten haben sie sich ins Podcast-Studio gesetzt. Das Ergebnis: Die neue Serie »Beethoven Deep Dive« innerhalb unseres bee.podcasts – neun Folgen, für jedes Konzert eine.
Zu jedem Konzert steht ein Schlüsselwerk des Programms im Zentrum ihres Gesprächs zu zweit am Klavier. In Folge drei: Die dritte Sinfonie – die mythische Eroica.
Sie tauchen ein in die Entstehungsgeschichte, räumen mit Klischees auf und öffnen die Ohren für die inneren Zusammenhänge dieser faszinierenden Werke. Außerdem verraten sie Details und Beweggründe ihrer eigenen Herangehensweise als Interpreten im gemeinsamen Zyklus-Projekt. So entsteht ein neues Verständnis für Beethovens Denken – und Stoff zum Nachhören, im Konzert erlauschen, mitvollziehen.
Kit Armstrong & Jan Caeyers live im Festival erleben – am 12. & 13.9.2026 mit dem Orchester Le Concert Olympique in der Beethovenhalle Bonn. Jetzt Tickets sichern: https://bit.ly/KitArmstrong_LeConcertOlympique
Transkript anzeigen
00:00:07: Speaker 1: Beethoven Deep Dive mit Kit Armstrong und Jan Caeyers.
00:00:18: Speaker 1: Folge drei: Die dritte Sinfonie.
00:00:31: Speaker 2: Ich bin Jan Caeyers und ich bin
00:00:32: Speaker 2: der Dirigent von Le Concert Olympique.
00:00:35: Speaker 3: Ich bin Kit Armstrong.
00:00:36: Speaker 3: Ich bin Pianist.
00:00:38: Speaker 3: Wir machen gemeinsam dieses
00:00:39: Speaker 3: große Projekt Beethoven Sieben
00:00:41: Speaker 3: und zwanzig, mit neun Konzerten,
00:00:44: Speaker 3: in denen wir alle neun
00:00:47: Speaker 3: Sinfonien, alle konzertanten
00:00:50: Speaker 3: Werke und auch etliche weitere
00:00:52: Speaker 3: Kammermusik und Solowerke von
00:00:54: Speaker 3: Beethoven spielen und hören
00:00:56: Speaker 3: werden.
00:00:58: Speaker 3: Jetzt in der dritten Folge,
00:01:00: Speaker 3: möchten wir uns einem mythischen
00:01:03: Speaker 3: Stück widmen, der dritten
00:01:05: Speaker 3: Sinfonie, der sogenannten Eroica
00:01:08: Speaker 3: Sinfonie.
00:01:09: Speaker 3: Und du bist nicht nur Dirigent,
00:01:13: Speaker 3: Musiker und
00:01:14: Speaker 3: Musikwissenschaftler, du bist
00:01:15: Speaker 3: auch bestens platziert, um ein
00:01:17: Speaker 3: bisschen mit diesen ganzen
00:01:18: Speaker 3: Mythen aufzuräumen.
00:01:34: Speaker 1: Der Mythos um die Eroica.
00:01:39: Speaker 2: Ist natürlich so, dass die
00:01:42: Speaker 2: Eroica ist die meistbekannte
00:01:44: Speaker 2: Beethoven- Sinfonie.
00:01:45: Speaker 2: Man könnte sagen gemeinsam mit
00:01:47: Speaker 2: der fünfte und ohne Zweifel auch
00:01:49: Speaker 2: die neunte.
00:01:51: Speaker 3: Aber es gibt so viele Geschichten um diese Symphonie,
00:01:54: Speaker 3: sie sei für die Französische Revolution geschrieben worden,
00:01:57: Speaker 3: sei für Napoleon, sie sei für Louis Ferdinand usw.
00:02:01: Speaker 2: Es gibt viel Geschichte und auch viele Missverständnisse.
00:02:06: Speaker 2: Das wichtigste bei der Symphonie
00:02:07: Speaker 2: ist immer wieder, wenn man diese
00:02:10: Speaker 2: Symphonie erwähnt, dass sofort
00:02:12: Speaker 2: diese Napoleon Assoziation
00:02:15: Speaker 2: kommt.
00:02:16: Speaker 2: Die Geschichte wäre dann diese.
00:02:19: Speaker 2: Beethoven hatte die Absicht,
00:02:21: Speaker 2: diese Symphonie Napoleon zu
00:02:23: Speaker 2: widmen.
00:02:23: Speaker 2: Aber als er dann hörte, achtzehn
00:02:24: Speaker 2: hundert vier, dass Napoleon sich
00:02:28: Speaker 2: selbst zum Kaiser gekrönt hat,
00:02:30: Speaker 2: war er so empört, dass er die
00:02:32: Speaker 2: Titelseite der Symphonie
00:02:34: Speaker 2: zerstückelt hat und sie dann
00:02:36: Speaker 2: nicht mehr Napoleon widmete,
00:02:38: Speaker 2: weil Napoleon auch wiederum ihn
00:02:41: Speaker 2: enttäuscht hat, dass er auch
00:02:44: Speaker 2: wieder, wie alle Potentaten,
00:02:46: Speaker 2: sich wie ein Potentat benehmen
00:02:47: Speaker 2: würde, und dass die große
00:02:49: Speaker 2: Illusion, er sei der Befreier
00:02:52: Speaker 2: Europas, das dann eigentlich
00:02:54: Speaker 2: nicht.
00:02:55: Speaker 3: Aber eigentlich hat das alles noch viel früher begonnen, als
00:02:58: Speaker 3: Beethoven noch in Bonn war.
00:02:59: Speaker 3: Oder?
00:03:00: Speaker 3: Beethoven hat ja die Französische Revolution.
00:03:03: Speaker 2: Es gibt diese Geschichte, hat Ries erzählt.
00:03:06: Speaker 2: Ries ist der Schüler der Ferdinand.
00:03:09: Speaker 2: Ferdinand Ries, der die erste
00:03:11: Speaker 2: Beethovenbiographie, eine kleine
00:03:12: Speaker 2: Biographie geschrieben hat und
00:03:15: Speaker 2: der diese Geschichte erzählt
00:03:16: Speaker 2: hat.
00:03:17: Speaker 2: Ob sie wirklich stattgefunden hat, wissen wir nicht.
00:03:20: Speaker 2: Wir haben eine Tendenz zu denken, dass wenn man weiß, dass
00:03:24: Speaker 2: auf der Rückseite dieses.
00:03:27: Speaker 3: Titelblatts schon.
00:03:29: Speaker 2: Die erste Seite der Partitur völlig ausgeschrieben war, dass
00:03:32: Speaker 2: er dann doch zweimal darüber nachgedacht hätte, bevor er das
00:03:35: Speaker 2: dann zerstückelt hätte.
00:03:36: Speaker 2: Also also ob das dann wirklich
00:03:38: Speaker 2: so gewesen wäre, ist sehr
00:03:40: Speaker 2: fraglich.
00:03:41: Speaker 2: Es wäre denkbar, wenn man ein
00:03:43: Speaker 2: bisschen Beethovens Temperament
00:03:45: Speaker 2: kennt.
00:03:45: Speaker 3: Und das ist irgendwie eine schöne, schöne Geschichte.
00:03:47: Speaker 2: eine schöne Geschichte.
00:03:48: Speaker 3: Aber die wahrhaftige Geschichte ist nicht minder schön.
00:03:51: Speaker 2: Es ist natürlich denkbar, dass es stattgefunden hat, aber
00:03:55: Speaker 2: vielleicht auch nicht wichtig, es zu wissen.
00:03:57: Speaker 2: Wichtiger ist natürlich den ganzen Kontext, und zwar diese.
00:04:02: Speaker 2: Beethoven hatte mit der
00:04:04: Speaker 2: Französischen Revolution
00:04:05: Speaker 2: sympathisiert.
00:04:07: Speaker 2: Beethoven war wirklich der Hoffnung, dass mit der
00:04:09: Speaker 2: Französischen Revolution die alte gesellschaftliche
00:04:13: Speaker 2: Konstellation zu Ende ging.
00:04:15: Speaker 3: Das war siebzehn hundert neun
00:04:17: Speaker 3: und achtzig, und da war er noch
00:04:19: Speaker 3: in Bonn.
00:04:19: Speaker 2: Da war er noch in Bonn, und Bonn war sogar der Maximilian.
00:04:22: Speaker 2: Franz, der Kurfürst war, der hat das ein bisschen zugelassen.
00:04:26: Speaker 2: Die Leute in Bonn haben wirklich sympathisiert, war sehr gut
00:04:29: Speaker 2: informiert über all das, was sich in Paris abspielt.
00:04:34: Speaker 2: Und Beethoven war wirklich
00:04:36: Speaker 2: voller Hoffnung, dass eine neue
00:04:38: Speaker 2: Zeit, eine mehr gerechte Zeit
00:04:41: Speaker 2: entstehen würde.
00:04:42: Speaker 2: Und dann, als er dann in Wien
00:04:44: Speaker 2: war, hat er auch, hat er auch
00:04:45: Speaker 2: gesehen, wie die Französische
00:04:48: Speaker 2: Revolution entgleist ist und
00:04:51: Speaker 2: hoffte, dass Napoleon das Ganze
00:04:54: Speaker 2: wiederum in eine gute Richtung
00:04:56: Speaker 2: lenken konnte.
00:04:57: Speaker 2: Das war seine große Hoffnung.
00:04:58: Speaker 2: Dass er dann seine neue
00:04:59: Speaker 2: Symphonie Napoleon widmen
00:05:02: Speaker 2: wollte, hat er doch in erster
00:05:04: Speaker 2: Linie Karriere, strategische
00:05:07: Speaker 2: Gründe.
00:05:15: Speaker 1: Die Entstehungsgeschichte.
00:05:28: Speaker 2: Anfang achtzehn hundert zwei achtzehn hundert drei hatte
00:05:30: Speaker 2: Beethoven die deutliche Absicht, nach Paris zu reisen.
00:05:36: Speaker 2: Definitiv oder nicht?
00:05:37: Speaker 2: Das wissen wir nicht.
00:05:37: Speaker 2: Aber doch.
00:05:38: Speaker 2: Er war der Hoffnung, dass es in Paris karrierestrategische
00:05:42: Speaker 2: Möglichkeiten gab, die es in Wien nicht gab.
00:05:45: Speaker 2: Also Wien war eigentlich eine
00:05:47: Speaker 2: kleine Stadt, wo es sehr
00:05:48: Speaker 2: schwierig war, sich
00:05:49: Speaker 2: durchzusetzen, wie heute
00:05:51: Speaker 2: übrigens noch.
00:05:52: Speaker 2: Und Paris war viel moderner.
00:05:54: Speaker 2: Und da gab es viel mehr
00:05:55: Speaker 2: Möglichkeiten für einen
00:05:57: Speaker 2: Komponisten.
00:05:57: Speaker 2: Also Beethoven wollte eigentlich
00:05:59: Speaker 2: sich in Paris vorstellen und um
00:06:01: Speaker 2: das möglich zu machen, unter
00:06:03: Speaker 2: anderem.
00:06:04: Speaker 2: Also er hat noch verschiedene Sachen gemacht, aber unter
00:06:06: Speaker 2: anderem wollte er zwei Symphonien schreiben, welche er
00:06:10: Speaker 2: dort spielen möchte, und zwar eine Symphonie, also die spätere
00:06:15: Speaker 2: Eroica und eine Moll Symphonie, die dann später die fünfte
00:06:21: Speaker 2: Symphonie geworden ist.
00:06:22: Speaker 2: Man weiß es eigentlich zu wenig, aber die fünfte Sinfonie ist
00:06:25: Speaker 2: ursprünglich für Paris gedacht.
00:06:27: Speaker 2: Daher auch diese typische französische Instrumentation im
00:06:31: Speaker 2: vierten Satz, wo plötzlich ein Piccolo erscheint, ein
00:06:35: Speaker 2: Kontrafagott und Posaune.
00:06:37: Speaker 2: Also dieser letzte Satz, der.
00:06:40: Speaker 3: Sind französische Instrumente.
00:06:41: Speaker 2: Wirklich französische Musik?
00:06:43: Speaker 2: Ja, und das war ursprünglich gemeint für Beethoven als
00:06:47: Speaker 2: Visitenkarte für Paris.
00:06:49: Speaker 2: Und die Eroica war auch für
00:06:52: Speaker 2: Paris gedacht und ist auch die
00:06:54: Speaker 2: Perspektive, worin wir diese
00:06:57: Speaker 2: Symphonie lesen und verstehen
00:06:59: Speaker 2: wollen.
00:07:01: Speaker 2: Ein bisschen nebenbei gesagt.
00:07:03: Speaker 2: Dann hat Beethoven nachher in dem Moment, wo die Idee wegfiel,
00:07:07: Speaker 2: um um Napoleon zu widmen.
00:07:09: Speaker 2: Und noch eine Tatsache durch die Tatsache, dass Lobkowitz, der
00:07:13: Speaker 2: doch wirklich der wichtigste Mäzen war in Wien, das Lobkowicz
00:07:17: Speaker 2: bezahlt hat, um die Symphonie zu schreiben, um sie zu proben, um
00:07:23: Speaker 2: sie aufzuführen, konnte Beethoven ja nichts anderes, als
00:07:26: Speaker 2: als sie Lobkowicz zu widmen.
00:07:29: Speaker 2: Und dann war eigentlich die
00:07:30: Speaker 2: Idee, um dann sie nach Napoleon
00:07:33: Speaker 2: zu benennen.
00:07:35: Speaker 3: Dass Beethoven wollte das Beste aus beiden Welten haben.
00:07:38: Speaker 3: Er wollte das Geld von Lobkowitz und die.
00:07:40: Speaker 2: Strategische Möglichkeit in Paris.
00:07:42: Speaker 3: Aber da, wo wir jetzt sind in der Geschichte, ist, dass
00:07:44: Speaker 3: Beethoven nach einigen ersten großen Erfolgen in Wien so um
00:07:49: Speaker 3: achtzehn hundert herum dann eine neue Sinfonie schreiben wollte.
00:07:53: Speaker 3: Er hatte den Gedanken, diese
00:07:55: Speaker 3: Sinfonie im französischen Stil
00:07:57: Speaker 3: oder in Anlehnung daran zu
00:07:59: Speaker 3: schreiben, um eben vielleicht in
00:08:02: Speaker 3: Paris damit durchkommen zu
00:08:04: Speaker 3: können.
00:08:04: Speaker 3: Aber er hatte gleichzeitig einen Auftrag in Wien zu erfüllen, und
00:08:09: Speaker 3: zwar für Lobkowitz, und das war eine und dieselbe Sinfonie.
00:08:15: Speaker 2: Ja, genau.
00:08:16: Speaker 3: Und die Aufführung?
00:08:17: Speaker 3: Die Uraufführung, hat
00:08:18: Speaker 3: tatsächlich für Lobkowicz
00:08:20: Speaker 3: stattgefunden.
00:08:21: Speaker 2: Er hat in Wien stattgefunden und und, und und.
00:08:24: Speaker 2: Lobkowitz hat das wirklich ermöglicht.
00:08:26: Speaker 2: Dass es Proben gab, wo Beethoven experimentiert hat, ist auch
00:08:29: Speaker 2: wichtig zu wissen, wann.
00:08:30: Speaker 2: Man spricht darüber, dass die
00:08:32: Speaker 2: Eroica die erste romantische
00:08:34: Speaker 2: Symphonie sei.
00:08:35: Speaker 2: Stimmt.
00:08:36: Speaker 2: Aber wichtig ist auch zu wissen,
00:08:38: Speaker 2: dass es ein Werk ist, wo
00:08:40: Speaker 2: Beethoven sehr bewusst gesucht
00:08:43: Speaker 2: hat nach neuen Formen und das
00:08:45: Speaker 2: ausprobiert hat und sehr lange
00:08:47: Speaker 2: experimentiert hat.
00:08:49: Speaker 2: Und Lobkowitz hat es ermöglicht,
00:08:51: Speaker 2: dass er das ausprobieren konnte,
00:08:53: Speaker 2: um zu hören, was er geschrieben
00:08:54: Speaker 2: hat.
00:08:55: Speaker 3: Da sind wir im Jahr achtzehn hundert drei.
00:08:57: Speaker 2: Da sind wir schon ein bisschen weiter.
00:08:58: Speaker 2: Wenn Napoleon nicht widmet Widmungsträger war okay.
00:09:03: Speaker 2: Wenn es nicht derjenige war, dessen Name benutzt wird.
00:09:07: Speaker 2: Als für den Titel ist Napoleon noch der Held.
00:09:10: Speaker 2: Worum es geht in dieser Symphonie?
00:09:13: Speaker 2: Und wer ist dann dieser Held?
00:09:14: Speaker 2: Wann ist.
00:09:15: Speaker 3: Es.
00:09:15: Speaker 2: Auch.
00:09:16: Speaker 3: Warum wir das überhaupt mit
00:09:18: Speaker 3: einem Helden in Verbindung
00:09:19: Speaker 3: bringen?
00:09:20: Speaker 3: Ist es die Symphonie?
00:09:21: Speaker 3: Erst achtzehn hundert sechs veröffentlicht wurde.
00:09:24: Speaker 2: Und erst dann ist der Name Eroica erschienen.
00:09:27: Speaker 2: Bis dann war dieser Name Eroica nicht da.
00:09:29: Speaker 3: Bis dann war die Sinfonie
00:09:33: Speaker 3: achtzehn hundert sechs, als die
00:09:35: Speaker 3: Sinfonie dann veröffentlicht
00:09:36: Speaker 3: wurde.
00:09:37: Speaker 3: Da gab es dann diesen Untertitel.
00:09:40: Speaker 3: Wie war das?
00:09:41: Speaker 3: In Andenken eines großen Mannes.
00:09:45: Speaker 2: Ja.
00:09:46: Speaker 3: Und darüber herrscht natürlich auch Spekulation.
00:09:49: Speaker 3: Wer das war?
00:09:50: Speaker 3: Ja, vielleicht der kürzlich verstorbene Louis Ferdinand,
00:09:55: Speaker 3: Prinz von Preußen oder Preußen.
00:09:57: Speaker 3: Ja, ja.
00:09:59: Speaker 3: Oder?
00:10:01: Speaker 3: Also, da gibt es verschiedene Theorien.
00:10:03: Speaker 2: Es gibt.
00:10:03: Speaker 2: Es gibt auch Theorien, dass es gewisse Helden aus der.
00:10:06: Speaker 3: Aus der Antike.
00:10:07: Speaker 2: Antike gibt.
00:10:08: Speaker 2: Oder mehr allgemein, dass es
00:10:11: Speaker 2: sogar Beethoven selbst gewesen
00:10:12: Speaker 2: sein könnte.
00:10:13: Speaker 2: Man darf ja nicht vergessen
00:10:14: Speaker 2: Beethoven hat in dieser Zeit
00:10:15: Speaker 2: auch dieses Oratorium Christus
00:10:16: Speaker 2: am Ölberge geschrieben, wo auch
00:10:18: Speaker 2: eine gewisse Identifikation
00:10:19: Speaker 2: zwischen Beethoven.
00:10:20: Speaker 3: Und Christus.
00:10:21: Speaker 2: Die Hauptfigur war.
00:10:22: Speaker 2: Also eine persönliche Verbindung zwischen Beethoven und hält.
00:10:26: Speaker 2: Aber es könnte auch sein der Mensch im Allgemeinen oder
00:10:31: Speaker 2: natürlich auch Prometheus.
00:10:33: Speaker 2: Aber dann kommen wir zu einer anderen Geschichte.
00:10:34: Speaker 2: Du musst mir später erzählen.
00:10:36: Speaker 3: Ja, aber für die Entstehung der
00:10:38: Speaker 3: Sinfonie ist das nicht direkt
00:10:40: Speaker 3: belegbar, relevant.
00:10:41: Speaker 2: Und überhaupt nicht relevant.
00:10:43: Speaker 2: Genau.
00:11:02: Speaker 1: Die Musik im Detail.
00:11:19: Speaker 2: Ich meine.
00:11:19: Speaker 2: Ich meine, ich glaube, um diese Symphonie richtig zu verstehen,
00:11:22: Speaker 2: muss man eigentlich von dem zweiten Satz ausgehen.
00:11:25: Speaker 2: Ja. Ja, ja.
00:11:32: Speaker 2: Und das ist eine Marchia fünf,
00:11:35: Speaker 2: Aber eine französische
00:11:36: Speaker 2: Totenmarsch.
00:11:38: Speaker 2: Und das war wirklich in Paris
00:11:41: Speaker 2: dieser Zeit eine besondere
00:11:44: Speaker 2: Gattung.
00:11:45: Speaker 2: Also es gab wirklich etwas wie eine gewisse Farbe, gewisse
00:11:51: Speaker 2: Tonart, ein gewisses Tempo.
00:11:55: Speaker 2: Man hört die Trommel, die so bedeckt sind mit Decken.
00:11:58: Speaker 2: Ich meine, das ist alles diese französische Gattung.
00:12:01: Speaker 2: Und Beethoven hat sehr bewusst das geschrieben, um zu zeigen,
00:12:05: Speaker 2: Ich verstehe Ihre Musik.
00:12:08: Speaker 3: Ja. Wäre es zu einer Pariser
00:12:10: Speaker 3: Aufführung gekommen, hätte das
00:12:12: Speaker 3: Publikum dort sich wiedererkannt
00:12:14: Speaker 3: und einen Anknüpfungspunkt
00:12:17: Speaker 3: gefunden.
00:12:17: Speaker 2: Und dann kommen wir dazu, um noch zu erwähnen, dass es sehr
00:12:24: Speaker 2: gewisse konkrete, fast Zitate gibt von diesen Märschen.
00:12:29: Speaker 2: Ja, es gibt diese berühmte.
00:12:33: Speaker 3: Du meinst, die revolutionäre Märsche.
00:12:36: Speaker 2: Die Marschälle von von Goseck.
00:12:40: Speaker 2: Das war wirklich ein berühmter Marsch, der sowohl beim
00:12:42: Speaker 2: Begräbnis von Van von OS Mirabeau gespielt wurde, als
00:12:46: Speaker 2: auch als Voltaire ins Pantheon übertragen wurde, hat man auch
00:12:52: Speaker 2: diesen Marsch gespielt.
00:12:52: Speaker 2: Das war wirklich.
00:12:53: Speaker 3: ein bisschen wie Taps in den Vereinigten Staaten.
00:12:56: Speaker 3: Ja, absolut.
00:12:57: Speaker 3: Trompete und.
00:12:58: Speaker 2: Und das war auch in Wien war sogar gab es Exemplare von
00:13:02: Speaker 2: diesem Marsch und.
00:13:05: Speaker 3: Der Trauermarsch schlechthin, den jeder kannte.
00:13:07: Speaker 3: Und vielleicht ist es gut.
00:13:10: Speaker 2: Dass du das einmal einmal spielst, um zu hören, wie, Wie?
00:13:16: Speaker 3: Es gibt ja.
00:13:17: Speaker 2: Buchstäblich das, dass das eigentlich fast zitiert wurde.
00:13:21: Speaker 3: Es gibt eben diese Stelle im zweiten Satz der Sinfonie, was
00:13:26: Speaker 3: wirklich sehr daran erinnert.
00:13:29: Speaker 3: Also eine Passage aus diesem Marsch ist.
00:13:41: Speaker 2: Das ist jetzt Gossage. Und
00:13:49: Speaker 2: Spielmann, Spielmann und die
00:13:51: Speaker 2: Rocker.
00:13:52: Speaker 3: Ja. Also, Eroica, ich spiele jetzt den Ausschnitt.
00:14:09: Speaker 2: Noch einmal.
00:14:09: Speaker 2: Noch einmal den Goseck.
00:14:13: Speaker 3: Jetzt spiele ich sogar in derselben Tonart.
00:14:22: Speaker 3: Ja.
00:14:23: Speaker 2: Genau.
00:14:24: Speaker 2: Also man könnte davon ausgehen,
00:14:26: Speaker 2: dass als Beethoven die Chance
00:14:28: Speaker 2: hätte, um das in Paris zu
00:14:30: Speaker 2: spielen, die Leute sofort
00:14:32: Speaker 2: Verstanden habe.
00:14:33: Speaker 2: Er gehört zu uns.
00:14:34: Speaker 2: Und das ist viel wichtiger als
00:14:37: Speaker 2: die Frage, wem das gewidmet sein
00:14:39: Speaker 2: konnte.
00:14:39: Speaker 2: Und vor allem, wer dieser Held sein konnte.
00:14:42: Speaker 2: Es ist das zentrale Stück.
00:14:44: Speaker 2: Warum dann?
00:14:45: Speaker 2: Warum dann die anderen Sätze gebaut sind?
00:14:49: Speaker 3: Das heißt, die Musik muss nicht programmatisch sein?
00:14:52: Speaker 3: Nein, nein.
00:14:53: Speaker 3: Also natürlich hat man einen Trauermarsch.
00:14:55: Speaker 3: Dann denkt man sofort Ja.
00:14:57: Speaker 3: Wer ist gerade gestorben?
00:14:59: Speaker 3: Aber eigentlich war das ein Trauermarsch, der allgemein
00:15:01: Speaker 3: bekannt war und dessen musikalisches Material dann auch
00:15:07: Speaker 3: für Beethoven als eine Art Vorlage gedient hat.
00:15:10: Speaker 2: Ja, das illustriert eigentlich
00:15:13: Speaker 2: auch, dass jeder Versuch, ein
00:15:19: Speaker 2: Programm zu entwickeln, dass die
00:15:22: Speaker 2: ganze Symphonie betrifft, nie
00:15:25: Speaker 2: funktioniert und auch nicht
00:15:27: Speaker 2: funktionieren muss oder könnte
00:15:29: Speaker 2: in dem Sinne es gibt sogar ein
00:15:33: Speaker 2: konkretes Problem.
00:15:35: Speaker 2: Ist ja okay, wenn im zweiten Satz es geht über den
00:15:41: Speaker 2: verstorbenen Held geht, was ist dann im dritten Satz?
00:15:52: Speaker 2: Davon könnte man dann konnte man
00:15:55: Speaker 2: eigentlich denke, das ist der
00:15:56: Speaker 2: Streit da.
00:15:58: Speaker 2: Da fing der Kampf an!
00:16:04: Speaker 2: Aber wieso stirbt der Held für den Kampf?
00:16:10: Speaker 3: Und ich habe gehört oder gelesen, dass es sogar Versuche
00:16:14: Speaker 3: gegeben hat, die.
00:16:15: Speaker 3: Die Reihenfolge der Sätze.
00:16:17: Speaker 2: Hat dann gesagt Wir müssen die Reihenfolge ändern.
00:16:19: Speaker 2: Na bitte.
00:16:20: Speaker 3: Ja, der Komponist war halt weltfremd.
00:16:23: Speaker 3: Er wusste nicht, dass man.
00:16:24: Speaker 2: Beethoven hätte, also nicht
00:16:26: Speaker 2: gewusst, dass es dann besser
00:16:28: Speaker 2: wäre.
00:16:28: Speaker 3: Zweit und erst zu schreiten und dann zu sterben.
00:16:31: Speaker 2: Ja, ich meine, das ist Blödsinn.
00:16:35: Speaker 3: Es kann durchaus extra musikalische Inspirationen für
00:16:39: Speaker 3: die einzelnen Sätze gegeben haben, aber die Symphonie als
00:16:43: Speaker 3: Ganzes erzählt keine.
00:16:45: Speaker 2: Natürlich ist man könnte, man könnte sagen, es geht in diesem.
00:16:50: Speaker 2: Der dritte Satz ist ein Scherzo
00:16:52: Speaker 2: mit wiederum diese heroischen
00:16:54: Speaker 2: Assoziationen.
00:16:56: Speaker 2: Das schon.
00:16:57: Speaker 2: Aber das ist dann wirklich eine Gesamterzählung.
00:16:59: Speaker 2: Gibt, ist nicht mehr durchzusetzen.
00:17:03: Speaker 2: Ja.
00:17:04: Speaker 3: Aber. Hingegen wenn wir jetzt
00:17:06: Speaker 3: kurz zum vierten Satz springen
00:17:08: Speaker 3: ja, für den gibt es eine sehr
00:17:10: Speaker 3: interessante Verbindung, die
00:17:12: Speaker 3: auch einen Hinweis auf eine
00:17:14: Speaker 3: Handlung liefert.
00:17:16: Speaker 2: Da hat man sehr konkrete musikalische Anhaltspunkte.
00:17:20: Speaker 2: Und um das zu verstehen, müssen
00:17:22: Speaker 2: wir zurückgehen zu den
00:17:24: Speaker 2: Klaviervariationen.
00:17:26: Speaker 2: Ob es fünf und dreißig, wobei es
00:17:29: Speaker 2: dieses komische Ding gibt, das
00:17:31: Speaker 2: wir die wie nennen die Eroica
00:17:34: Speaker 2: Variationen.
00:17:36: Speaker 2: Aber in dem Moment, wo Beethoven dieses Opus fünf und dreißig
00:17:39: Speaker 2: Variationen geschrieben hat, gab es noch keine Eroica.
00:17:42: Speaker 3: Um das klarzustellen, also der
00:17:44: Speaker 3: Name Eroica und diese heroische
00:17:48: Speaker 3: Assoziation kam erst mit der
00:17:50: Speaker 3: Veröffentlichung der Sinfonie
00:17:52: Speaker 3: Opus fünf und fünfzig, achtzehn
00:17:54: Speaker 3: hundert sechs.
00:17:54: Speaker 3: Und hier sprechen wir über die
00:17:56: Speaker 3: Klaviervariationen, über dieses
00:17:58: Speaker 3: Thema.
00:18:03: Speaker 3: Bzw.
00:18:04: Speaker 2: Ja.
00:18:07: Speaker 3: Und das sind also das Opus fünf
00:18:10: Speaker 3: und dreißig, und das ist schon
00:18:12: Speaker 3: viel früher entstanden und auch
00:18:14: Speaker 3: veröffentlicht worden.
00:18:15: Speaker 2: Absolut. Und. Und es gibt natürlich ein direkter
00:18:18: Speaker 2: Verbindung zwischen diesen Variationen und Schlusssatz,
00:18:22: Speaker 2: aber um die Variationen dann wiederum zu verstehen, müssen
00:18:27: Speaker 2: wir noch einen Schritt.
00:18:28: Speaker 3: Wir müssen zwei, zwei Schritte zurückgehen.
00:18:31: Speaker 2: Das heißt, wir müssen zu Opus
00:18:33: Speaker 2: drei und vierzig gehen, zum
00:18:36: Speaker 2: Prometheus Ballett.
00:18:37: Speaker 2: Die Geschöpfe des Prometheus, welche Beethoven im März
00:18:40: Speaker 2: achtzehn hundert eins uraufgeführt hat im Burgtheater.
00:18:44: Speaker 2: Ja, und da ist natürlich so, das
00:18:46: Speaker 2: ist eine deutliche
00:18:48: Speaker 2: Prometheusgeschichte.
00:18:50: Speaker 3: Und da gibt es eine Handlung, da gibt es einen Text, da gibt es.
00:18:53: Speaker 2: Da gibt es eine Handlung, da gibt es ein Drehbuch, ein
00:18:55: Speaker 2: Libretto und vor allem das sind insgesamt sechzehn Nummern.
00:19:00: Speaker 2: Für die ersten zehn Nummern
00:19:01: Speaker 2: dieses Ballett gibt es eine sehr
00:19:03: Speaker 2: deutliche Beschreibung, was sich
00:19:05: Speaker 2: da abspielt.
00:19:05: Speaker 2: Ja, und zwar Prometheus kreiert zwei Geschöpfe, die zwar.
00:19:13: Speaker 3: Aus Ton, aus.
00:19:14: Speaker 2: Ton. Die können zwar leben, aber haben noch kein Erbe, weder
00:19:19: Speaker 2: Gefühl noch Geist.
00:19:21: Speaker 2: Geist.
00:19:21: Speaker 2: Ja, und dann schleppt Prometheus
00:19:24: Speaker 2: sie in den Palast, wo sie
00:19:27: Speaker 2: eingeweiht werden, verschiedene
00:19:30: Speaker 2: Stufen durchlaufen und wo sie
00:19:33: Speaker 2: dann am Ende als vollwertige
00:19:37: Speaker 2: Geschöpfe, als Menschen sich
00:19:38: Speaker 2: etablieren können.
00:19:39: Speaker 2: Und dann kommt noch dazu, dass
00:19:42: Speaker 2: die in einem ganz Finale
00:19:46: Speaker 2: gemeinsam mit den Göttern einen
00:19:50: Speaker 2: großen Tanz machen, ein kontra
00:19:53: Speaker 2: Tanz.
00:19:53: Speaker 2: Ja.
00:19:55: Speaker 3: Das ist an und für sich interessant.
00:19:56: Speaker 3: Wie wie Beethoven dann durch
00:19:59: Speaker 3: seine Musik und durch die
00:20:01: Speaker 3: Auswahl des der jeweiligen
00:20:03: Speaker 3: Tanzform auch diese Geschichte
00:20:05: Speaker 3: interpretiert hat.
00:20:07: Speaker 2: Ja, und zwar das ist der
00:20:09: Speaker 2: niedrigste Tanz in der
00:20:12: Speaker 2: Tanzhierarchie.
00:20:14: Speaker 2: Das ist der Tanz des Volks.
00:20:16: Speaker 2: Und es sind die Götter, die nach
00:20:18: Speaker 2: unten kommen und nicht
00:20:20: Speaker 2: umgekehrt.
00:20:21: Speaker 2: Oder man könnte natürlich sagen nur die Tatsache, dass die
00:20:23: Speaker 2: Götter gemeinsam mit den Menschen einen Tanz tanzen, sind
00:20:27: Speaker 2: die Menschen emanzipiert.
00:20:30: Speaker 2: Und diese Emanzipation.
00:20:31: Speaker 3: Ist kein Menuett. Ja, die Adligen sind da ausgeschlossen.
00:20:35: Speaker 2: Es gibt übrigens in diesem
00:20:36: Speaker 2: Ballett einige Assoziationen
00:20:37: Speaker 2: oder einige Indizien in Richtung
00:20:40: Speaker 2: altmodisches Tanzen.
00:20:42: Speaker 2: Das gibt es aber eher, also
00:20:44: Speaker 2: nicht als als Endziel, aber eher
00:20:46: Speaker 2: als Assoziation.
00:20:47: Speaker 2: Ja, diese ganze Prometheus
00:20:49: Speaker 2: Geschichte geht über den
00:20:52: Speaker 2: Werdegang des Menschens so fast
00:20:55: Speaker 2: wie ein Bildungsroman, also
00:20:57: Speaker 2: eine.
00:20:58: Speaker 3: Bildungsgeschichte, dass der
00:20:59: Speaker 3: Mensch von einem tierischen
00:21:02: Speaker 3: Geschöpf zu einem mündigen Wesen
00:21:05: Speaker 3: wird.
00:21:06: Speaker 3: Ja, und da kommt diese Melodie zum Ersten Mal vor.
00:21:10: Speaker 3: Ja.
00:21:18: Speaker 2: Ja. Okay. Und?
00:21:19: Speaker 2: Und und.
00:21:20: Speaker 2: Dann ist es doch wichtig, um zu sehen, dass diese Melodie hat.
00:21:25: Speaker 2: Und das war schon achtzehn hundert eins.
00:21:28: Speaker 2: Ist eigentlich eine direkte Verweisung nach einer die
00:21:33: Speaker 2: französische Hymne a la Liberte.
00:21:37: Speaker 3: Ja.
00:21:40: Speaker 2: Absolut.
00:21:44: Speaker 2: Das war eigentlich in der Zeit
00:21:46: Speaker 2: ein bisschen die französische
00:21:47: Speaker 2: offizielle Nationalhymne.
00:21:50: Speaker 2: Und.
00:21:50: Speaker 2: Und die war sehr verbreitet.
00:21:52: Speaker 2: Also in Wien gab es Tausende
00:21:54: Speaker 2: Exemplare davon, verbreitet in
00:21:57: Speaker 2: allen Kreisen.
00:21:58: Speaker 2: Also alle Wiener haben das gekannt.
00:21:59: Speaker 3: Um das etwas zu verdeutlichen.
00:22:03: Speaker 3: Die. Die Hymne geht so.
00:22:06: Speaker 2: Ja, ja, aber.
00:22:07: Speaker 2: Aber ja, aber.
00:22:09: Speaker 2: Ja, aber.
00:22:10: Speaker 2: Ja, aber es gibt noch.
00:22:11: Speaker 2: Es gibt noch eine Zwischenstufe.
00:22:13: Speaker 2: Und zwar im Moment.
00:22:15: Speaker 2: Dass die das Prometheus, die Apollo übergibt, kommt.
00:22:20: Speaker 2: Das Apollo Thema, das das Thema der Schönheit ist, ist in erster
00:22:24: Speaker 2: Linie auch darauf basiert.
00:22:27: Speaker 2: So kannst du.
00:22:31: Speaker 2: Ja, also.
00:22:32: Speaker 2: Also.
00:22:32: Speaker 2: Also diesen Link zwischen zwischen dieses Thema und diese
00:22:36: Speaker 2: Hymne machen die.
00:22:38: Speaker 3: Die die Hymne, Hymne, die französische Hymne.
00:22:43: Speaker 2: Und dann jetzt.
00:22:46: Speaker 3: Und jetzt die Übergabe.
00:22:49: Speaker 3: Szene mit Apollo.
00:22:55: Speaker 2: Und jetzt kommt der Tanz.
00:22:58: Speaker 2: Ja. Also, das ist.
00:23:03: Speaker 2: Das ist eine eine deutliche Hinweis dafür, dass das das
00:23:08: Speaker 2: Konkordanzthema, das dann die Basis geworden ist für Opus fünf
00:23:13: Speaker 2: und dreißig, diese Bedeutung.
00:23:16: Speaker 3: Das sind die Variationen.
00:23:17: Speaker 2: Die Variationen gehen über den Werdegang des Menschens.
00:23:21: Speaker 2: Und jetzt kommen wir zu den Variationen zuerst.
00:23:25: Speaker 2: Da hat Beethoven, die sind eigentlich spektakulär neu.
00:23:30: Speaker 2: Nie hat es Variationen gegeben mit so viel Nummer und vor allem
00:23:34: Speaker 2: nie hat es Variationen gegeben, wo diese Komplexität gab.
00:23:39: Speaker 2: Die Tatsache, dass Beethoven
00:23:40: Speaker 2: zuerst die Basslinie präsentiert
00:23:44: Speaker 2: und dann sehr allmählich darauf
00:23:47: Speaker 2: aufbaut.
00:23:48: Speaker 3: Das ist das Thema, was ich gerade gespielt habe.
00:23:51: Speaker 3: Aber die die Variationen Opus
00:23:54: Speaker 3: fünf und dreißig waren nicht mit
00:23:56: Speaker 3: diesem Thema, an dessen
00:23:58: Speaker 3: Basslinie die.
00:24:00: Speaker 2: Und dann?
00:24:03: Speaker 2: Ja, und dann kommen in
00:24:06: Speaker 2: verschiedenen Stufen wird das
00:24:07: Speaker 2: zweistimmig.
00:24:09: Speaker 2: Vielleicht erste Variation die Und dann zweite Reaktion Eine
00:24:16: Speaker 2: Oktave höher kommt das Thema Oktave, die Mittelstimme.
00:24:24: Speaker 2: Dritte Variation.
00:24:32: Speaker 2: Und erst dann kommt.
00:24:36: Speaker 2: Ja. Es ist unheimlich originell von Beethoven, um diese
00:24:46: Speaker 2: Variationen so anzufangen.
00:24:48: Speaker 2: Denn erst dann fangen die
00:24:49: Speaker 2: Fangen, die eigentlich sind das
00:24:50: Speaker 2: Vorstufe.
00:24:51: Speaker 2: Das ist eigentlich.
00:24:52: Speaker 2: Das sind Prolegomena.
00:24:55: Speaker 3: Aber vielleicht hat das auch ein bisschen mit dieser Handlung aus
00:24:58: Speaker 3: Prometheus zu tun, dass bevor die Geschöpfe da sind, dass es
00:25:02: Speaker 3: halt diese Vorstufe geben muss.
00:25:04: Speaker 2: Könnte durchaus sein, ja.
00:25:06: Speaker 2: Und vor allem ich.
00:25:07: Speaker 2: Ich finde persönlich, dass du
00:25:10: Speaker 2: diesen Aufbau, das durch ein
00:25:12: Speaker 2: bisschen Banale.
00:25:14: Speaker 2: Dieses System hat auch eine gewisse Banalität.
00:25:16: Speaker 3: Ja, ja, absolut.
00:25:17: Speaker 3: Es ist ein.
00:25:18: Speaker 3: Es ist ein sehr populärer Tanz.
00:25:20: Speaker 2: Es ist Volksmusik.
00:25:21: Speaker 2: Ja, dass es doch einen gewissen Glanz bekommt, wenn es endlich
00:25:27: Speaker 2: mal als Befreiung und diese Vorstufe es bekommt.
00:25:32: Speaker 3: Genau.
00:25:32: Speaker 3: Vor allem, weil das so kontrapunktisch vertrackt ist.
00:25:36: Speaker 3: Diese Vorstufen, also wir haben die Basslinie und dann gibt es
00:25:40: Speaker 3: eine Variation in zwei Stimmen und dann eine in drei Stimmen
00:25:43: Speaker 3: und dann in vier Stimmen.
00:25:45: Speaker 3: Und dann, nach diesem Aufbau wird es plötzlich homophonisch.
00:25:50: Speaker 2: Polyphonie und und und.
00:25:52: Speaker 2: Aber in dem Fall klingt diese Homophonie nicht mehr.
00:25:57: Speaker 2: Homophonie hat etwas Leeres, etwas Geradliniges.
00:26:02: Speaker 2: Und hier bekommt das Thema eine gewisse Anmut.
00:26:07: Speaker 2: Eine uhr, die nicht mehr banal ist.
00:26:09: Speaker 2: Wichtig ist dabei, dass es ab einem gewissen Punkt eine Fuge
00:26:13: Speaker 2: gibt, eine Fuge in zwei Teile, könnte man sagen zuerst.
00:26:28: Speaker 2: Und dann später.
00:26:29: Speaker 2: Und um das gleiche Thema.
00:26:30: Speaker 2: Aber das Thema in Umkehrung.
00:26:39: Speaker 2: Und das ist kein Zufall in dem Sinne, dass eine Fuge ist doch
00:26:46: Speaker 2: ein bisschen ein Topos von diesem gelehrten Stil.
00:26:52: Speaker 2: Das ist eigentlich das Schwierigste, was es gibt als
00:26:55: Speaker 2: Komponist, um zu schreiben.
00:26:57: Speaker 2: Es ist zerebral, sehr intellektuell.
00:27:00: Speaker 2: Eigentlich ist es das Höchste, die höchste Disziplin.
00:27:05: Speaker 3: Und dann ist es wieder natürlich
00:27:07: Speaker 3: ein Hinweis darauf, dass diese
00:27:09: Speaker 3: Prometheus Handlung im
00:27:11: Speaker 3: Hintergrund die ganze Zeit
00:27:13: Speaker 3: mitspielt, weil dieser Vogel ja
00:27:15: Speaker 3: am Ende von diesem
00:27:16: Speaker 3: Variationenzyklus kommt.
00:27:17: Speaker 3: Und da könnte man meinen, dass die Musik zum so bildhaft zum
00:27:22: Speaker 3: Ausdruck bringt, dass der Mensch jetzt eine intellektuellere
00:27:26: Speaker 3: Stufe erreicht hat.
00:27:27: Speaker 2: Und die Stufe, wo er am meisten
00:27:29: Speaker 2: zu Gott ist, dieses Muster von
00:27:32: Speaker 2: den Variationen bis fünf und
00:27:34: Speaker 2: dreißig hat.
00:27:35: Speaker 2: Für Beethoven war die Basis für den letzten Satz.
00:27:38: Speaker 3: Also für den letzten Satz der dritten Symphonie.
00:27:41: Speaker 2: Der Symphonie.
00:27:41: Speaker 2: Da habe ich es ja.
00:27:42: Speaker 2: Wichtig ist zu wissen, dass von
00:27:45: Speaker 2: Anfang an das Beethovens Idee
00:27:48: Speaker 2: war.
00:27:49: Speaker 2: Also wenn man die Skizze der
00:27:52: Speaker 2: Symphonie sich anschaut, muss
00:27:54: Speaker 2: man davon ausgehen, dass das
00:27:55: Speaker 2: seine erste Idee war und dass
00:27:56: Speaker 2: die anderen Sätze zusätzlich
00:27:59: Speaker 2: komponiert sind Richtung diesen
00:28:01: Speaker 2: letzten Satz.
00:28:02: Speaker 2: Man sieht auch, dass es, dass er relativ Wenig gezweifelt hat
00:28:07: Speaker 2: über die Form.
00:28:11: Speaker 2: Beethoven war schon damals in der Zeit ein Mensch, der sehr
00:28:14: Speaker 2: viel Skizze brauchte.
00:28:15: Speaker 2: Aber für diese letzte Satz war das nicht notwendig, was darauf
00:28:18: Speaker 2: hindeutet, dass man, dass man doch sagen kann Ja, er hat.
00:28:21: Speaker 3: Er hatte zu dem Zeitpunkt das
00:28:23: Speaker 3: schon zweimal ausgearbeitet,
00:28:25: Speaker 3: einmal in der Ballettmusik für
00:28:27: Speaker 3: Prometheus und einmal, als diese
00:28:28: Speaker 3: Variationen, das heißt, er hatte
00:28:30: Speaker 3: schon reichlich Material sich
00:28:32: Speaker 3: angesammelt.
00:28:33: Speaker 2: Und auch und wichtig ist auch zu wissen, dass wir haben das in
00:28:38: Speaker 2: der Folge über erste Symphonie schon erwähnt, wie problematisch
00:28:43: Speaker 2: es für Komponisten war, um einen letzten Satz eine Finale zu
00:28:48: Speaker 2: komponieren im Gleichgewicht zu den anderen Sätzen.
00:28:51: Speaker 2: Und das Problem hat sich hier
00:28:52: Speaker 2: nicht gestellt, weil er
00:28:53: Speaker 2: umgekehrt gedacht hat der letzte
00:28:55: Speaker 2: Satz und dass er die anderen
00:28:57: Speaker 2: Sätze so hin komponiert hat in
00:29:00: Speaker 2: diese Richtung und Betrag hat er
00:29:02: Speaker 2: dann und hat es dann so
00:29:04: Speaker 2: übernommen.
00:29:04: Speaker 2: Wahrscheinlich auch mit der Hintergrundgedanke der
00:29:07: Speaker 2: Variationen und der Prometheus Musik, dass es hier geht über
00:29:12: Speaker 2: diesen Werdegang des Helden.
00:29:14: Speaker 2: Nur hat er das kompakter gemacht.
00:29:17: Speaker 2: Das heißt, es sind keine keine
00:29:18: Speaker 2: fünfzehn Variationen mehr,
00:29:20: Speaker 2: sondern weniger.
00:29:22: Speaker 2: Zuerst hat er doch was hat er übernommen?
00:29:24: Speaker 2: Zuerst diese erste Akkord, das Spiel.
00:29:28: Speaker 3: Einmal in Variationen, fängt es mit einem einfachen Akkord an.
00:29:34: Speaker 2: Und eine Symphonie hat er diese,
00:29:37: Speaker 2: diese diese Akkord ausgedehnt zu
00:29:40: Speaker 2: zwölf Takten.
00:29:50: Speaker 2: Das ist genau das, was ein Akkord.
00:29:52: Speaker 2: Nur braucht er mehr Zeit, weil
00:29:55: Speaker 2: es natürlich in der Variation
00:29:57: Speaker 2: ist, das.
00:29:58: Speaker 3: Die Funktion ist ist die gleiche.
00:30:00: Speaker 3: Die Funktion.
00:30:00: Speaker 2: Ist die gleiche, aber weil.
00:30:02: Speaker 3: Er ein Nationalfonds.
00:30:03: Speaker 2: Hat, hat er fast vierzig Minuten Musik.
00:30:05: Speaker 2: Wobei natürlich diese intensive zweite Satz gegeben hat und doch
00:30:10: Speaker 2: diese motorische Perpetuum Mobile mobile des dritte Satz.
00:30:15: Speaker 2: Also es gibt so viel Energie
00:30:17: Speaker 2: vorher, dass er diese eine
00:30:19: Speaker 2: Akkord ausdehnen musste, damit
00:30:21: Speaker 2: die psychologische Dimension
00:30:24: Speaker 2: stimme.
00:30:24: Speaker 3: Es ist natürlich zu einer Art
00:30:26: Speaker 3: Tradition oder Marotte geworden,
00:30:29: Speaker 3: für viele Dirigenten eine Art
00:30:30: Speaker 3: Attacke zu machen zwischen dem
00:30:33: Speaker 3: dritten und vierten Satz, weil
00:30:35: Speaker 3: sie so Angst davor haben, dass
00:30:36: Speaker 3: das Publikum klatscht, was
00:30:39: Speaker 3: damals sowieso stattgefunden
00:30:40: Speaker 3: hätte.
00:30:51: Speaker 2: Aber wie wir wissen, kann es
00:30:53: Speaker 2: passieren, dass das Publikum
00:30:54: Speaker 2: klatscht.
00:30:56: Speaker 3: Das Publikum soll klatschen.
00:30:58: Speaker 2: Das Publikum hat das Recht,
00:30:59: Speaker 2: begeistert zu sein und das zu
00:31:00: Speaker 2: äußern.
00:31:01: Speaker 2: Aber nebenbei.
00:31:03: Speaker 2: Der Punkt ist, dass es dieser
00:31:05: Speaker 2: erste Akkord gibt, aber
00:31:07: Speaker 2: ausgedehnt.
00:31:08: Speaker 2: Dann gibt es das Thema zu Basso Durchführung.
00:31:15: Speaker 2: Und dann kommen.
00:31:16: Speaker 2: Dann kommen diese.
00:31:17: Speaker 2: Dann kommen diese.
00:31:18: Speaker 2: Diese Prolegomena, also diese Vorstufe auch.
00:31:31: Speaker 2: Ja, und dann kommt.
00:31:35: Speaker 3: Es. Es kommen tatsächlich ein paar davon.
00:31:37: Speaker 3: Und das ist jetzt nicht mehr.
00:31:39: Speaker 3: Das sind nicht die gleichen wie bei den Klaviervariationen.
00:31:41: Speaker 3: Also es ist nicht so streng
00:31:43: Speaker 3: aufgebaut, so zweistimmig,
00:31:44: Speaker 3: dreistimmig, vierstimmig.
00:31:46: Speaker 3: Es geht mehr darum, dass die
00:31:48: Speaker 3: verschiedenen
00:31:49: Speaker 3: Instrumentengruppen vorgestellt
00:31:52: Speaker 3: werden.
00:31:53: Speaker 3: Also das waren am Anfang sind es die Streicher, Pizzicato und
00:31:56: Speaker 3: dann kommen die Bläser dazu.
00:31:59: Speaker 3: Immerhin in dieser Abwechslung
00:32:01: Speaker 3: Streicher, Bläser, Streicher,
00:32:02: Speaker 3: Bläser und dann das
00:32:05: Speaker 3: Streichquartett spielt dann
00:32:07: Speaker 3: auch.
00:32:07: Speaker 3: Also nur die Musiker am ersten Pult da sind.
00:32:20: Speaker 3: Und also nach all diesen Einleitungen sozusagen, kommt
00:32:26: Speaker 3: endlich das Thema.
00:32:27: Speaker 2: Es gibt übrigens es gibt
00:32:28: Speaker 2: übrigens eine Hypothese, dass
00:32:32: Speaker 2: diese drei Variationen, diese
00:32:35: Speaker 2: verschiedenen Instrumentationen
00:32:38: Speaker 2: vielleicht eine Bedeutung habe,
00:32:40: Speaker 2: dass es verschiedene
00:32:41: Speaker 2: Menschengruppen sind.
00:32:42: Speaker 2: Zum Beispiel wenn ein Streichquartett spielt, das doch
00:32:44: Speaker 2: noch, das ist viel Aristokrat, da sind die noch gemeinsam
00:32:49: Speaker 2: Kammermusik machen, aber dann.
00:32:52: Speaker 2: Aber die Funktion ist doch die
00:32:53: Speaker 2: gleiche, und zwar die
00:32:55: Speaker 2: Vorbereitung des Eintritts des
00:32:57: Speaker 2: Konkordanzthemas.
00:32:58: Speaker 2: Aber, und jetzt ist es wichtig,
00:33:01: Speaker 2: folgendes zu wissen In den
00:33:03: Speaker 2: Variationen, ob es fünf und
00:33:05: Speaker 2: dreißig, gibt es doch eine
00:33:07: Speaker 2: gewisse banale Systematik, das
00:33:10: Speaker 2: heißt, jede Variation hat die
00:33:12: Speaker 2: gleiche Struktur.
00:33:13: Speaker 2: Sie stehen alle im gleichen Tonart und in der Symphonie.
00:33:16: Speaker 2: Im Finale sind es viel weniger Variationen, aber sie haben
00:33:20: Speaker 2: jedes Mal ein offenes Ende.
00:33:23: Speaker 2: Das heißt, sie entwickeln sich,
00:33:26: Speaker 2: weil die Idee der Entwicklung
00:33:28: Speaker 2: ist natürlich im Rahmen unserer
00:33:29: Speaker 2: Hypothese oder unserer Deutung
00:33:32: Speaker 2: von dieser Werdegang sehr
00:33:33: Speaker 2: wichtig.
00:33:34: Speaker 2: Und auch die die beiden Fugen,
00:33:38: Speaker 2: die es gegeben hat am Ende der
00:33:40: Speaker 2: Variation des
00:33:41: Speaker 2: Klaviervariationen.
00:33:42: Speaker 2: Die beiden Flügel sind jetzt
00:33:44: Speaker 2: getrennt voneinander und kommen
00:33:47: Speaker 2: viel früher.
00:33:49: Speaker 2: Das bedeutet, sie haben viel mehr Gewicht in der Komposition.
00:33:57: Speaker 2: Ja.
00:33:59: Speaker 2: Also.
00:33:59: Speaker 2: Ja. Und?
00:34:01: Speaker 3: Und das ist die erste Folge.
00:34:03: Speaker 3: Und dann gibt es noch ein paar.
00:34:05: Speaker 2: Weitere, die auch noch eine
00:34:07: Speaker 2: Variation oder eine deutliche
00:34:08: Speaker 2: Referenz ist.
00:34:09: Speaker 2: Zur Einleitung.
00:34:10: Speaker 2: Es gibt auch noch eine.
00:34:12: Speaker 3: Aber dann gibt es die.
00:34:13: Speaker 3: Die Umkehrung der Umkehrung.
00:34:14: Speaker 3: Also.
00:34:15: Speaker 3: Das heißt.
00:34:15: Speaker 2: Ja. Okay. Ja. Also, es sind zwei Fugen.
00:34:23: Speaker 2: Recht und in Umkehrung und anderen.
00:34:27: Speaker 2: Ja.
00:34:27: Speaker 2: Okay.
00:34:27: Speaker 2: Ja, das war auch in den Klaviervariationen der Fall.
00:34:31: Speaker 2: Aber das sind zwei Fugen mit einer völlig unterschiedenen
00:34:39: Speaker 2: Bedeutung und Funktion.
00:34:41: Speaker 2: Die erste Fuge ist rhythmisch sehr kompliziert, ist komplex,
00:34:47: Speaker 2: modelliert auch viel mehr, ist viel dramatischer, viel
00:34:51: Speaker 2: instabil, Während die zweite Variation viel direkter ist.
00:34:56: Speaker 3: Somit fast absolut
00:34:57: Speaker 3: zielgerichtet, weil
00:34:58: Speaker 3: zielgerichtet.
00:35:01: Speaker 4: Ja, schon klar.
00:35:03: Speaker 2: Aber das ist eine, man könnte sagen die erste.
00:35:07: Speaker 2: Die erste Fuge.
00:35:08: Speaker 2: Da kämpft der Mensch um dieses.
00:35:11: Speaker 2: Diese Gattung, diesen Stil zu
00:35:13: Speaker 2: erwerben, während da das eine
00:35:15: Speaker 2: eine Mannschaft ist und eine
00:35:18: Speaker 2: deutliche Ankündigung, diese
00:35:21: Speaker 2: große Hymne.
00:35:23: Speaker 3: Genau nach der Fuge, die Danksagung.
00:35:25: Speaker 2: Ja die Danksagung, die dann plötzlich noch viel mehr.
00:35:33: Speaker 2: Wobei das dann wiederum.
00:35:36: Speaker 2: Eine Referenz ist zum zum Marcia
00:35:41: Speaker 2: Funebre, genau die gleiche
00:35:43: Speaker 2: Farbe, wenn die Bläser in der
00:35:45: Speaker 2: Mannschaft im zweiten Satz
00:35:47: Speaker 2: spielen.
00:35:49: Speaker 2: Die Oboe führt, dann Ja, das
00:35:51: Speaker 2: kommt dann zurück in diesem
00:35:52: Speaker 2: Dankgebet.
00:35:53: Speaker 2: Da sind die beiden miteinander verbunden.
00:35:56: Speaker 2: Und diese Hymne hat eine Monumentalität, hat eine
00:36:00: Speaker 2: emotionale Tiefe ohne Vergleich.
00:36:03: Speaker 2: Nicht nur, weil sie nach dieser
00:36:06: Speaker 2: relativ langen Variations und
00:36:08: Speaker 2: Satz kommt, sondern auch, weil
00:36:11: Speaker 2: sie am Ende der ganzen Symphonie
00:36:12: Speaker 2: kommt.
00:36:13: Speaker 3: Doch, ja.
00:36:14: Speaker 2: Und ja, das Wunder der Eroica ist dort.
00:36:20: Speaker 3: Also diese Verbindung ist sehr interessant zwischen dem zweiten
00:36:24: Speaker 3: und dem vierten Satz.
00:36:25: Speaker 3: Also wenn, wenn wir tatsächlich diese Hypothese weiterverfolgen.
00:36:29: Speaker 3: Das ist keine Hypothese.
00:36:30: Speaker 3: Es ist belegt, dass zuerst der vierte Satz konzipiert wurde und
00:36:35: Speaker 3: dass die anderen Sätze darauf hingeschrieben worden sind.
00:36:39: Speaker 3: Müssten wir auch über den ersten Satz sprechen?
00:36:42: Speaker 3: Ja, weil das das Hauptthema des
00:36:45: Speaker 3: ersten Satzes, auch eine
00:36:47: Speaker 3: verblüffende Ähnlichkeit mit dem
00:36:50: Speaker 3: Hauptthema des.
00:36:53: Speaker 3: Das das Zielsatzes aufweist.
00:36:55: Speaker 2: Absolut und Und zuerst muss man sagen, diese zwei ersten
00:36:59: Speaker 2: Akkorde, die sind.
00:37:03: Speaker 2: Ja, an sich ist das eine Parallele zu diesem
00:37:06: Speaker 2: Anfangsakkord von Variation und und dieser Anfang, von der.
00:37:10: Speaker 3: Ja die die Idee, erst mal alle Leute wach zu bekommen.
00:37:14: Speaker 2: Spiel einmal ab Tag drei diese anfangen der Symphonie Tag drei.
00:37:25: Speaker 2: Kannst du einmal.
00:37:26: Speaker 2: Damit es klar ist, diese
00:37:28: Speaker 2: Parallele zwischen
00:37:29: Speaker 2: Konkordanzthema und Anfang der
00:37:32: Speaker 2: Symphonie.
00:37:32: Speaker 3: Also noch.
00:37:33: Speaker 2: Einmal damit, dass.
00:37:34: Speaker 3: Wenn, wenn wir jetzt die die
00:37:36: Speaker 3: ersten zwei Akkorde außen vor
00:37:38: Speaker 3: lassen.
00:37:39: Speaker 2: Wir spielen.
00:37:41: Speaker 3: Ja.
00:37:48: Speaker 2: Aber Meter e. Jetzt ja, ja, ja,
00:37:57: Speaker 2: aber wiederum ein normaler
00:38:02: Speaker 2: Komponist, der dann doch sagt
00:38:04: Speaker 2: ich möchte eine Symphonie
00:38:05: Speaker 2: schreiben.
00:38:07: Speaker 2: Diese Gestik der Symphonie hat.
00:38:11: Speaker 2: Es dur mit einem Dreiklang, mit
00:38:13: Speaker 2: einem Dreiklang Thema würde
00:38:15: Speaker 2: anfangen, wo das Forte
00:38:17: Speaker 2: fortissimo steht, was du gerade
00:38:19: Speaker 2: gespielt hast.
00:38:27: Speaker 2: Aber so anfange.
00:38:29: Speaker 2: Der Punkt ist an sich ist die Idee, die da ist, kein Thema.
00:38:36: Speaker 2: Das hat keine Bedeutung.
00:38:37: Speaker 2: Es sagt nichts, es ist.
00:38:41: Speaker 3: Bleibt auch.
00:38:43: Speaker 3: Es ist.
00:38:44: Speaker 3: Es stagniert.
00:38:45: Speaker 3: Es bleibt in einer Harmonie stecken.
00:38:49: Speaker 2: Ich kann keine Musik, aber hier oder da mitmachten.
00:38:57: Speaker 3: Es hätte so viele Entwicklungen, Weiterentwicklungen von diesem
00:39:00: Speaker 3: Motiv geben können, aber diese hätte man nie erwartet.
00:39:17: Speaker 2: Und und und.
00:39:19: Speaker 2: Für das Verständnis dieses ersten Satzes ist es wichtig.
00:39:21: Speaker 2: Erstes diese Würrde, diese
00:39:27: Speaker 2: Bewegung, diese diese sehr
00:39:29: Speaker 2: destabilisierende.
00:39:31: Speaker 2: Ich meine, es war eine heroische, heroische Symphonie.
00:39:34: Speaker 2: Erwartet man doch nicht diese diese Verunsicherung.
00:39:39: Speaker 2: Aber noch wichtiger ist, dass
00:39:41: Speaker 2: dann die erste Geige erst die
00:39:43: Speaker 2: Synkopen Spiele und diese ab
00:39:47: Speaker 2: jetzt.
00:39:47: Speaker 4: Jetzt so la da da da da.
00:39:53: Speaker 2: Diese Kreisbewegung, da.
00:39:55: Speaker 4: Da da da da da.
00:39:57: Speaker 2: Die spielt in der ganzen Symphonie.
00:39:58: Speaker 2: Erster Satz eine irrsinnig wichtige Rolle.
00:40:01: Speaker 2: Das ist genau so wichtig als Material, als dieser Dreiklang.
00:40:06: Speaker 3: Ja, genau.
00:40:06: Speaker 3: Das sind die zwei Elemente, aus
00:40:08: Speaker 3: denen so vieles in diesem Satz
00:40:11: Speaker 3: entstand.
00:40:13: Speaker 3: Nur um ein paar Beispiele zu geben.
00:40:15: Speaker 3: Es gibt ja dieses Seitenthema, was ganz direkt aus dieser
00:40:19: Speaker 3: kreisenden Figur abgeleitet ist.
00:40:23: Speaker 3: Ich spiele es in der Tonart auch vorkommt.
00:40:30: Speaker 2: Absolut. Ja. Ja.
00:40:32: Speaker 4: Ja.
00:40:34: Speaker 2: Du sagst dieses Seitenthema.
00:40:37: Speaker 2: Es ist.
00:40:38: Speaker 2: Es gibt eine große Durchführungsthema.
00:40:42: Speaker 2: Es gibt eine große Diskussion in der Literatur über die Frage Wo
00:40:48: Speaker 2: fängt, wo ist das zweite Thema?
00:40:51: Speaker 2: Und da gibt es verschiedene Möglichkeiten, um zu denken.
00:40:56: Speaker 2: Und die Tatsache allein, dass es da keine deutliche Antwort gibt,
00:41:00: Speaker 2: dass sagen wir, was wir in diese übliche Sonatensatztheorie habe
00:41:08: Speaker 2: Hauptthema, Brücke, Nebensatz, kontrastierenden Nebensatz das
00:41:14: Speaker 2: ist, das gilt ja nicht mehr.
00:41:17: Speaker 2: Hier zum Beispiel.
00:41:18: Speaker 3: Also es gibt doch ein eine Passage, die man die die
00:41:25: Speaker 3: wichtigste Funktion eines zweiten Themas des Seitenthemas
00:41:29: Speaker 3: erfüllt, nämlich wiedererkennbar zu sein und auch in der
00:41:34: Speaker 3: richtigen Tonart zu stehen.
00:41:36: Speaker 3: Und das ist das.
00:41:39: Speaker 2: Ja, Ja, aber. Ja. Ja. Ja, Ja.
00:41:40: Speaker 2: Aber ja.
00:41:42: Speaker 2: Es tut mir leid, aber das
00:41:45: Speaker 2: Problem ist, dass vorher die
00:41:47: Speaker 2: Bedingungen vorher, um es als
00:41:49: Speaker 2: sein Thema zu zu deuten, nicht
00:41:52: Speaker 2: da sind.
00:41:53: Speaker 3: Ja, das stimmt.
00:41:53: Speaker 3: Es gibt keine Kadenz in B Dur.
00:41:55: Speaker 2: Und wichtig ist, um das.
00:41:58: Speaker 2: Um das alles zu deuten, ist zu
00:42:01: Speaker 2: verstehen, dass das Konzept
00:42:04: Speaker 2: Thema sich plötzlich geändert
00:42:06: Speaker 2: hat.
00:42:06: Speaker 2: Ich meine, nehmen wir einmal den Anfang wiederum.
00:42:09: Speaker 2: Da gibt es Erstes, Was in der Zelle.
00:42:14: Speaker 2: Okay.
00:42:14: Speaker 2: Und dann geht es weiter.
00:42:15: Speaker 2: Und dann?
00:42:17: Speaker 2: Ja, okay.
00:42:17: Speaker 2: Aber dann kommt da.
00:42:18: Speaker 2: Da da da da da.
00:42:19: Speaker 2: Da kommen die Bläser.
00:42:23: Speaker 4: Na ja, es.
00:42:26: Speaker 2: Ist auch noch immer immer ein Teil des Themas.
00:42:31: Speaker 2: Und dann kommt doch.
00:42:33: Speaker 3: Das Thema ist nicht in sich geschlossen ist.
00:42:36: Speaker 3: Nein.
00:42:36: Speaker 2: Das ist der Punkt.
00:42:38: Speaker 2: Das hat man.
00:42:38: Speaker 3: Eigentlich bei allen sogenannten
00:42:41: Speaker 3: Themen dieses Satzes oder bei
00:42:43: Speaker 3: fast allen so, also das ist auch
00:42:46: Speaker 3: das Hauptproblem bei dem
00:42:48: Speaker 3: Seitenthema.
00:42:49: Speaker 2: Die Diskussion, welche wir jetzt haben, deutet darauf hin, dass
00:42:52: Speaker 2: die üblichen Parameter, womit man über Musik denkt, nicht mehr
00:42:57: Speaker 2: Geld für die Eroica Und die große Frage ist wieso schreibt
00:43:02: Speaker 2: Beethoven eine Symphonie, die fünf und fünfzig Minuten dauert,
00:43:05: Speaker 2: wenn man es richtig schnell genug spielt, während die
00:43:09: Speaker 2: anderen Symphonien bis jetzt maximal vierzig Minuten dauert?
00:43:13: Speaker 2: Die längste Mozart Symphonie ist vierzig Minuten.
00:43:15: Speaker 2: Und das ist auch keine Ausnahme.
00:43:17: Speaker 2: Und plötzlich kommt eine
00:43:18: Speaker 2: Symphonie, die fünfzehn Minuten
00:43:19: Speaker 2: länger ist.
00:43:20: Speaker 2: Warum oder wieso schafft er das?
00:43:22: Speaker 2: Und dann kommen wir zu dem
00:43:24: Speaker 2: Punkt, dass unsere unser
00:43:27: Speaker 2: normales akademisches Denken
00:43:30: Speaker 2: über Form nicht mehr
00:43:31: Speaker 2: funktioniert hier.
00:43:34: Speaker 2: Also wenn man, wenn man mit dieser Schulbuchtheorie über
00:43:39: Speaker 2: diese Symphonie denkt, versteht man die das Konzept nicht.
00:43:48: Speaker 1: Alles in allem das Fazit.
00:43:55: Speaker 3: Ja, die große Überraschung ist,
00:43:57: Speaker 3: dass auch wenn diese Sinfonie
00:43:59: Speaker 3: als Meilenstein der Komposition
00:44:03: Speaker 3: gilt und vielleicht als erste
00:44:06: Speaker 3: Sinfonie der neuen Epoche
00:44:08: Speaker 3: überhaupt, dass diese Art von
00:44:11: Speaker 3: Strukturen nicht aufgegriffen
00:44:13: Speaker 3: wurde und dass die weiteren
00:44:15: Speaker 3: romantischen Sinfonien wieder in
00:44:18: Speaker 3: diesem klassischen
00:44:19: Speaker 3: Sonatenhauptsatzform geschrieben
00:44:22: Speaker 3: worden sind, mit zwei klar
00:44:23: Speaker 3: definierten Themen mit
00:44:25: Speaker 3: kontrastierenden Affekten.
00:44:28: Speaker 2: Weißt du, es ist bekannt das Beethoven auch die Frage, welche
00:44:31: Speaker 2: seine beste Symphonie war Die meist gelungene Symphonie, war
00:44:35: Speaker 2: gern dort, hat die dritte.
00:44:38: Speaker 3: Das hat er selbst ziemlich am Ende seines Lebens behauptet.
00:44:41: Speaker 2: Eben in dem Moment, wo er doch den Überblick hatte.
00:44:45: Speaker 2: Und es gibt keinen Grund, warum er etwas sagen wollte, was er
00:44:49: Speaker 2: nicht gemeint hatte.
00:44:50: Speaker 2: Und ich glaube, das so empfunden hat, weil er selbst konsequent
00:44:56: Speaker 2: die gesamte Spielregel der Komposition bestimmt hat, dass
00:45:01: Speaker 2: er sozusagen zum Ersten Mal Fussball gespielt hat mit
00:45:05: Speaker 2: anderen Regeln und dass er die Regeln bestimmt hat.
00:45:10: Speaker 2: Die Funktion von einem Konzept
00:45:13: Speaker 2: und dieser Mut, dieses Talent,
00:45:15: Speaker 2: um sich diese Freiheit zu
00:45:17: Speaker 2: schaffen, das ist einzigartig
00:45:19: Speaker 2: gewesen ist.
00:45:20: Speaker 2: Vielleicht ist der Schlusssatz
00:45:22: Speaker 2: der Neunte auch so eine
00:45:24: Speaker 2: Ausnahme.
00:45:25: Speaker 3: Ja, eines haben diese Beispiele gemeinsam und auch so etwas wie
00:45:31: Speaker 3: das Cis Moll Quartett Streichquartett und das ist, das
00:45:36: Speaker 3: alles eklektische Stücke sind.
00:45:38: Speaker 3: Und Beethoven hatte irgendwie diese Gabel aus eklektischen
00:45:43: Speaker 3: Großartiges zu machen.
00:45:44: Speaker 2: Ja, das ist, glaube ich, richtig formuliert.
00:45:47: Speaker 3: Diese Sinfonie ist eklektisch im
00:45:48: Speaker 3: Sinne von Jetzt haben wir einen
00:45:51: Speaker 3: französischen Trauermarsch, eine
00:45:54: Speaker 3: adaptierte Ballettmusik mit
00:45:56: Speaker 3: einer völlig anderen Handlung
00:45:57: Speaker 3: usw Und aus diesen disparaten
00:46:00: Speaker 3: Teilen erschuf er ein großes
00:46:03: Speaker 3: Ganzes, und.
00:46:04: Speaker 2: Das sehr homogen war der Ausgangspunkt, dass Beethoven
00:46:08: Speaker 2: gedacht hat rückwärts, hat ihn gezwungen, um andere Konzepte zu
00:46:15: Speaker 2: machen für sowohl eins, zwei als drei und und das stimmt alles.
00:46:21: Speaker 2: Und das ist das der Grund,
00:46:23: Speaker 2: weshalb das die größte Symphonie
00:46:25: Speaker 2: ist Und dass die anderen
00:46:26: Speaker 2: Komponisten das dann nicht
00:46:28: Speaker 2: imitiert haben, ist
00:46:29: Speaker 2: wahrscheinlich, weil es nicht zu
00:46:30: Speaker 2: imitieren ist, ohne Plagiat zu
00:46:33: Speaker 2: sein.
00:46:34: Speaker 3: Also das ist ein unglaubliches
00:46:36: Speaker 3: Stück, das immer noch sehr
00:46:38: Speaker 3: überrascht.
00:46:39: Speaker 3: Und wenn man es hört, hat man,
00:46:41: Speaker 3: kann man den Eindruck haben, der
00:46:43: Speaker 3: Komponist versucht alle zwei
00:46:45: Speaker 3: Sekunden, uns etwas Neues zu
00:46:48: Speaker 3: geben.
00:46:50: Speaker 3: Aber das bleibt stimmig.
00:46:51: Speaker 3: Und genau das hat die Welt auch gebraucht.
00:46:55: Speaker 4: Ja.
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