#ausgetrunken mit Alice Hasters
Shownotes
Alice Hasters ist Autorin, Journalistin und Podcasterin und wird in diesem Jahr den Eröffnungsvortrag des Beethovenfests halten. Die gebürtige Kölnerin und Wahlberlinerin beschäftigt sich unter anderem mit Rassismus, Feminismus und Intersektionalität.
Für die neueste Folge #ausgetrunken hat sich Intendant Steven Walter mit ihr in der Buchhandlung ›Siebter Himmel‹ in Köln getroffen und bei einer kühlen Rhababersaftschorle über ihre Bücher, das Konzept von ›Zuhause‹ und Verantwortung im Kulturbetrieb ausgetauscht. Was Hasters darüber denkt und wie ihre Vision für eine inklusivere Klassikszene aussieht, erfahrt ihr im Video!
Über #ausgetrunken: Mit einem Getränk anstoßen und reden, bis der letzte Schluck geleert ist: Das ist die Idee von ausgetrunken. Festivalintendant Steven Walter besucht dafür Persönlichkeiten aus Politik, Musik, Gesellschaft und kommt mit ihnen ins Gespräch. Genau so lange, wie es das Getränk hergibt – vom Espresso bis zum Caipirinha. Prost!
Alice Hasters live im Festival erleben – am 4.9. hält sie unseren Eröffnungsvortrag. Jetzt Tickets sichern: https://bit.ly/eroeffnungsvortrag-alice-hasters
ausgetrunken mit Alice Hasters – auch als Videopodcast in unserem Magazin: https://bit.ly/magazin-ausgetrunken-alice-hasters
Transkript anzeigen
00:00:10: Ausgetrunken mit Alice Hasters und Steven Walter.
00:00:16: Ich bin hier im Belgischen Viertel in Köln verabredet, ich freue mich sehr über das Gespräch in dieser Buchhandlung in Köln.
00:00:24: Hi Alice!
00:00:26: Wie geht's dir?
00:00:27: Ganz gut und dir?
00:00:28: Sehr gut, ich freu mich sehr auf unser Getränk, dass wir austrinken.
00:00:32: Sag uns doch was wir heute gemeinsam hier austricken.
00:00:34: Wir
00:00:34: trinken heute ein eher klassisches Getränk, das ist Rhababersaftschorle.
00:00:37: Das klassische Getränk ist natürlich Apfelschorle, aber irgendwann kam die Rhababerschorle dazu und ich finde es noch ein bisschen erfrischender.
00:00:44: Ich mache das gerne so, dass ich das eins zu eins habe.
00:00:49: Aber es mir auch aufgefallen hat, dass es extrem unterschiedliche Philosophie gibt
00:00:53: zum Thema.
00:00:54: Als ich früher gekellnert habe waren da immer die Gäste, da.. musste man...
00:01:00: manchmal kam eine zurück, die wäre zu saftig.
00:01:03: Ja ja. Wie fancy kann eine Rhababersaftschorle sein?
00:01:06: Es geht genau!
00:01:07: Man kann, was Schorlen angeht, kann man immer weiter pimpen.
00:01:11: Eine unterbewertete Getränkeart.
00:01:15: Die Rababersaftschorle.
00:01:17: Prost!
00:01:17: Prost.
00:01:19: Alice,
00:01:19: du bist Schriftstellerin, du kommst hier aus Köln, lebst inzwischen in Berlin und hast verschiedene... mehrere Bücher geschrieben, die sehr viel Aufmerksamkeit erregt haben.
00:01:31: Wir haben dieses Jahr beim Beethovenfest ein Festivalmotto, das heißt »Nach Hause/ daheim«.
00:01:36: Was ist das Zuhause, um nicht zu sagen die Heimat für dich?
00:01:42: Heimat ist ja ein sehr deutscher Begriff, wenn man so will.
00:01:45: Ja, in meinem ersten Buch schreibe ich, dass Heimat glaube ich diese Mischung zwischen Zugehörigkeit und – wie heißt das?
00:01:58: Zugehörigkeit und Herkunft ist, dass das nicht für alle Leute gegeben ist.
00:02:02: Für mich ist es nicht so eindeutig. Und ich glaube also das liegt zum einen daran, dass ich halt keine eine Herkunft habe.
00:02:11: Meine Mutter kommt aus den USA, mein Vater kommt aus Deutschland. Aus Düsseldorf. Und genau, die Frage ist, wo fühle ich mich jetzt zugehörig?
00:02:26: Also auch als schwarze Person in Deutschland aufzuwachsen, bedeutet auch, dass die Zugehörigkeit auch immer mal wieder in Frage gestellt wird.
00:02:33: Ob man ja wirklich Deutsch ist und so.
00:02:36: Das heißt, ich persönlich, für mich ist Heimat kein so wohliges Wort.
00:02:48: Zuhause ist dann nochmal ein bisschen was anderes, finde ich, also weil es eben diese, weiß nicht, so vor Nostalgie und es wurde auch noch nicht so instrumentalisiert.
00:02:59: Heimat ist ja auch teilweise in vielen rechten konservativen ... wird das auch gerne so genommen als etwas, was gerne von Rechten besetzt wird.
00:03:11: Und zu Hause hat für mich, ist so ein bisschen flexibler vielleicht.
00:03:17: Weil es halt ...
00:03:19: Ein Ort ist, den man sich auch einfach erzeugen kann.
00:03:23: Genau!
00:03:24: Das hat man so ein ... das kann man sich bauen, da kann man irgendwie zu Hause machen.
00:03:33: Man kann sich das erarbeiten und man kann mehrere haben vielleicht.
00:03:40: Und irgendwie ist ja auch die Frage ... Also Heimat genauso wie Zuhause ist sehr an einen Ort geknüpft.
00:03:49: Wir leben aber mittlerweile in einer Gesellschaft wo wo wir nicht mehr so an Orte gebunden sind.
00:03:55: Wir sind sehr viel flexibler, wir bewegen uns mehr durch die Welt.
00:04:02: Viele Leute auch zum Beispiel meiner Generation haben schon mal in anderen Ländern gewohnt und haben Erasmus gemacht oder keine Ahnung was.
00:04:08: Und dann kommt noch dazu dass man oftmals Biografien hat, die auch mehrere Orte miteinander vereinen.
00:04:17: Das heißt man trägt Das zu Hause auch eher mit sich, als dass man selber irgendwie immer wieder ... Auch
00:04:23: über die Geschichten.
00:04:24: Die Narrative, die da mit ... Schwenken wir Teilen eine Identitäts-Teilbereich?
00:04:31: Wir sind beide ... Deutschamerikaner haben wir gerade festgestellt oder so sagen, haben beide diese Hintergründe.
00:04:38: Ich find's spannend.
00:04:39: jetzt nur ein Beispiel der Amerikaner wie ... ich weiß nicht, wie fluide das dann doch ist, die Idee davon wo man zu Hause ist, die Leute sagen wandern viel mehr auch in ein riesiges Land.
00:04:55: In Deutschland scheint mir ich komme da... Ich bin aufgewachsen im kleinen schwäbischen Dorf und da merke schon die Leute mit denen ich zur Schule gegangen sind sehr viele sind immer noch so genau da und das ist sehr viel mehr regionalisiert.
00:05:08: Da frage ich mich was vielleicht auch Deutschland und die Deutschen sagen so fast nieder diesen Heimat Begriff hat natürlich auch interessante historische Gründe und deutsche Romantik usw.
00:05:22: Und auch die Problematik, dass es dieses Land gar nicht so richtig gibt oder gab oder so.
00:05:27: Das ist ja alles... Gibt irgendwas Besonderes was du erkennst an der Deutschen vielleicht verkrampften natürlich auch historisch verbremten problematisierten Heimat?
00:05:38: Ja, also ich finde wenn man gerade auch USA und Deutschland miteinander vergleicht merken.
00:05:42: Man auch was das für ein Konstrukt ist natürlich wo quasi zu Hause anfängt wo es aufhört.
00:05:48: Wenn man die von der Ost zur Westküste in den USA wechselt hat man so ist man soweit weg vom eigentlichen Zuhause.
00:05:55: aber Es ist hier das gleiche Land.
00:05:57: Deshalb ist es irgendwie weiter mit allen begriffen Und in Deutschland eben.
00:06:01: wir haben in Europa eine ganz andere Situation.
00:06:03: Du gehst gerade im Süden fährst so eine Stunde raus.
00:06:09: Das hat vielleicht was damit zu tun.
00:06:12: Aber auch eben mit dieser ... Ich glaube, du hast das gerade verkrampft genannt.
00:06:18: Diese Geschichte, dass halt diese Flickenteppich alles war irgendwie mal ... Diese Nation.
00:06:30: Auf der einen Seite begreift sich Deutschland als irgendwie etwas, was schon immer da war und über Jahrhunderte so eine jahrhundertalte Geschichte hat die irgendwie ...
00:06:42: Mittelalter.
00:06:42: Genau
00:06:43: bis man Leute zu den Römern irgendwie zurückgreift.
00:06:47: Und auf der anderen Seite ist es aber ein sehr neues Land.
00:06:51: Das ist eigentlich genauso alt wie ich.
00:06:53: Ich bin neun-achtzig geboren.
00:06:55: Also so wie's jetzt ist, ist das noch relativ?
00:06:59: Also das heißt ich glaube hier, dass sind auch so was... Ich weiß auch nicht wie vielen Leuten das so richtig bewusst ist.
00:07:08: Dass da irgendwo eine Dissonanz ist oder diese Frage nicht richtig geklärt ist.
00:07:16: und dann gibt es natürlich auch diese schwierige sich identifizieren überhaupt mit Deutschland als Land und deshalb überträgt sich das mehr ins lokale.
00:07:26: Also ich bin
00:07:27: auch ... Kulturelle vielleicht, oder so von Rückzug.
00:07:32: Was ja auch zurückgeht bis ins Jahrhundert.
00:07:36: Und ich merke auch zum Beispiel hier in Köln.
00:07:39: Ich finde, Kölner hat einen wahnsinnigen Stadtpatriotismus und ich merker auch, ich bin mir auch richtig in den Kölnen aufgewechselt.
00:07:46: Ich bin auch richtig indoctriniert.
00:07:47: Wenn ich den Körner Dom sehe freue ich mich immer noch wie so alle Domen.
00:07:52: Also ihr hört das nicht auf, dass ich mich freue aus dem Hauptbahnhof zu kommen und den Dom zu sehen.
00:07:59: Ich hab irgendwie das Gefühl, also irgendwas ... ich merke es ist so richtig in mir verankert.
00:08:04: Also dieses ... Und trotzdem wohne ich ja nicht mehr hier.
00:08:08: Also ich muss jetzt... Ich habe nicht das Gefühl dass ich hier bleiben muss.
00:08:12: aber wenn wir wieder um die Frage des Zuhause kreisen Ja, das ist für mich ... Da ist schon ... Ist das schon ein weiteriges Verhausegefühl?
00:08:25: Irgendwas entspannt sich.
00:08:26: Gerade in dieser Region, ich bin ja auch zugezogen, Rheinland und auch mit dem Karneval
00:08:31: usw.,
00:08:32: es ist schon extrem Identitätsstiftend scheint mir für die Menschen und zwar auch wirklich querbet, das ist schon sehr interessant.
00:08:41: Jetzt müssen wir kurz nochmal in seine Publikationshistorie zeugten.
00:08:44: Du hast im Jahr twohundneinzehn ein viel beachtendes Buch geschrieben was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten.
00:08:53: Ich glaube bei mir jedenfalls ist dadurch irgendwie etwas passiert, dass man sich einfach auch... es geht ja um Empathie oder eine Fähigkeit irgendwie sich vorzustellen, das ist nicht für alle gleichermaßen leichtes nur in den Raum reinzugehen.
00:09:08: Genau!
00:09:09: Also dass man zum Beispiel... also ich glaube es wäre jetzt zum Beispiel in dieser Brandung jetzt nicht so, Das hat jetzt gar nicht mehr, gar nicht so stark mit Rassismus zu tun.
00:09:18: Aber zum Beispiel ist es in ganz vielen Buchhandlungen gibt es die Abteilung Frauen der Trattur.
00:09:24: Ja.
00:09:25: Das z.B.
00:09:25: ist ja auch also dass man denkt okay für... Es gibt diesen, es gibt keine Mannerisatur als Kategorie.
00:09:31: Literatur ist quasi männlich?
00:09:33: Genau das heißt, implizit heißt es, dass es genau männlich ist.
00:09:37: und wenn noch sowas wie Black Music gibt oder so dann heißt es eigentlich Das, was nicht gesagt
00:09:43: wird ist,
00:09:44: dass Musik an sich weiß.
00:09:46: Und das gibt es halt total oft in unsere ... und diese Privilegien, das hat mal einer Aktivistin gesagt, Privilegen beschreiben die Dinge, die du nicht durchmachen musst.
00:10:02: Deshalb ist es auch schwer, diese Priviligen zu spüren, weil sie merken, genau die Abwesenheit vom Widerstand ist quasi das Privilegg.
00:10:10: Und da haben wir ja alle ... Also wir alle haben, will ich Ihnen besonders alle die irgendwie dieser Seite der Welt liegen.
00:10:18: Ja sehr interessant weil auch dadurch ja einfach glaube ich ganz viele durch diesen Diskurs viele Prozesse losgetreten sind bei mir jedenfalls aber auch in meinem Umfeld oder im Kulturbetrieb beispielsweise sehr spannend ist und gleichzeitig viele Fragen aufwirft weil was dir beschreibt es so eine Art Wie heißt man das?
00:10:39: Positiven Rassismus, der alle auch passieren kann.
00:10:43: Mit besten Absichten sozusagen und da irgendwie auch wieder in so einer Art natürlichen Umgang damit zu finden.
00:10:50: um das zu erreichen muss man vielleicht einmal durch den Diskos auch durch und bisschen auch einfach sich sensibilisieren und dann ist man glaube ich schon am Ende schlauer.
00:11:00: Insofern war es glaube ich ein sehr wichtiger Beitrag was würdest du einen Veranstalter jetzt einem oder insgesamt einen Gastgeber raten zu tun damit Menschen die Aus welchen Gründen auch immer sich nicht zugehörig finden, zum Beispiel dem klassischen Kulturbetrieb oder Musikbetrieb der ja auch sehr von bestimmten Leuten gebracht ist.
00:11:19: Was kann man dazu und um zu signalisieren wir wollen wirklich alle Willkommen heißen?
00:11:26: Und meinen das so?
00:11:29: Geht es auch um Repräsentanz?
00:11:31: Es geht teilweise um Reprezentanz und die Frage was man genau... wie man Dinge thematisiert oder wie man auch ein Programm gestaltet.
00:11:40: Es liegt auch unter einem anderen Rassismus an patriarchalen Strukturen, dass die Komponistinnen und Klassische Musik, die sich durchgesetzt hat vor allen Dingen von weißen Männern ist.
00:11:57: Also es gibt auch Musik, die nicht von weißen Männern komponiert worden ist.
00:12:02: Die kann man ja vielleicht auch im Programm betonen.
00:12:05: Auch wenn man weiß... Es gibt dann erstmal so ein bisschen Widerstand, weil man denkt aber das Publikum kennt das nicht und die kommen wegen den Klassikern, wegen dem Beethoven-Unsuch.
00:12:20: Genau, ist es ein bisschen schwierig da andere Komponistinnen manchmal zu integrieren.
00:12:25: Ich nehm übrigens das Gerücht, dass man sagt, irgendwann gab's dieses Gerücht als Beethoven eigentlich schwarz?
00:12:31: Ist er nicht!
00:12:34: Ist er wohl nicht.
00:12:35: aber ist das ein interessantes gelangenes Moment
00:12:39: ja.
00:12:41: Aber die... also dass man schaut, wer hat denn noch komponiert?
00:12:46: und was Gehen da, kommen da vielleicht auch andere Themen mit rein.
00:12:53: Andere Perspektiven mit rein?
00:12:56: oder selbst wenn man je nachdem was man präsentiert ist ja auch die Frage Was ist interessant an dem Stück?
00:13:06: An dem Thema was behandelt worden ist.
00:13:10: Ich glaube diese Sachen also.
00:13:12: die Frage ist genau welche Perspektive zentriert man auf Welchen Blick zentriert man?
00:13:21: Und den so... Also ich verstehe, dass das manchmal nicht so einfach ist.
00:13:28: So alt bewährte gerade Klassik ist ja quasi eigentlich ein Synonym für Tradition und das hat man immer so gemacht und es ist einfach eigentlich... Klassikt zeichnet sich heraus, dass es quasi unverändert ist oder dass es irgendwie schon immer so war.
00:13:49: Aber ich glaube, es gibt noch so viel zu besprechen und zu entdecken und zu betrachten.
00:13:58: Total!
00:13:58: Und da sehe ich auch keinen Widerspruch drin weil ich meine klassische Musik ist ja eben ein Werkkanon der übrigens auch erweitert werden kann wenn man an die ganzen vergessenen Komponisten denkt auch viele Komponnistinnen die genauso zum Kanon gehören sollten.
00:14:18: Aber vor allem das dann auch in Kontext zu bringen mit Themen unserer Zeit, erscheint mir wesentlich auch insbesondere für eine Zeitkunst, die ja Musik immer ist, egal ob sie jetzt vor dreieinhalb Jahren geschrieben wurde und deswegen auch so was wie unser Diskursprogramm wo du ja auch um diesen kleine Werbelblock reinzuplaggen unseren Eröffnungsvortrag dieses Jahr hält's, das freut uns sehr.
00:14:40: Ich freue mich auch.
00:14:41: Jetzt hast du aber ein ganz frisches neues Buch, ich glaube seit wenigen Wochen in der Öffentlichkeit Anti-Opfer.
00:14:50: Warum wir Verletzlichkeit verachten?
00:14:52: Auch ein sehr, sehr spannendes Thema!
00:14:55: Warum geht es da für dich?
00:14:56: Mir ist aufgefallen das Opfer... Ein schwieriger Begriff ist in unserer Gesellschaft, der sehr unterschiedlich Verwendung findet als zum einen.
00:15:06: Ich glaube, Opfer, wenn man das Wort hört, hat man erst mal negative Assetationen damit.
00:15:10: Aber nicht nur dass was Negatives passiert ist.
00:15:13: Das ist in der Rent bei dem Opferbegriff.
00:15:16: Sondern dass man auch Opfer doof findet.
00:15:18: Also die Leute, die Opfer sind, sind schwach und irgendwie ... Verlierer?
00:15:23: Verlierern und Jammern usw.
00:15:26: Und ich finde diese Betrachtungsweise über Opfer ... ist mittlerweile sehr prominent.
00:15:34: Dazu gehört, kommt aber auch das gerade aus einer rechtskonservativen Seite immer wieder gesagt wird, dass es so toll wäre, dass Leute die Opfer sind heute so einen Vorteil hätten.
00:15:47: Also das ist... ...Opfermacht
00:15:48: und... Genau!
00:15:49: Und dass die Opfe quasi denen das Kurs bestimmen würden.
00:15:52: Ich finde, ich finde alles ein bisschen nimmt eine gefährliche Richtung an weil die Realität ist.
00:16:03: Also Opfer sind eben nicht zuerst eine Einstellungs-Sache oder eine Charaktereigenschaft, das ist eine Realität.
00:16:09: Oder Idealität, die man jetzt irgendwie umarmt?
00:16:12: Richtig!
00:16:13: Das machen wir allerwenigstens.
00:16:14: Es wird einen immer wieder quasi zugetragen.
00:16:16: auch mir wird es gerne als... Ich habe dieses Buch auch geschrieben weil es auch im Vorwurf ist der mich oft ereilt dass ich mich zum Opfer machen würde aufgrund meines ersten Buches über Rassismus und die Sache mit dem Buch auch daran erinnern möchte, dass man das ursprünglich Opfer ein Begriff ist der beschreibt.
00:16:38: Dass man sich halt nicht selber zum Opfer macht sondern dass man Opfer wird und es uns ran führt an diese Fragen von was hat man selbst in der Hand?
00:16:48: Fremdbestimmung, Selbstwirksamkeit... Und gerade in so einer krisenbehaupteten Zeit wo man das Gefühl hört Man kann weniger kontrollieren.
00:17:02: Wir hatten jetzt gerade eine Hitzewelle, da kann man natürlich versuchen bestimmte Maßnahmen zu ergreifen aber was bleibt ist die Realität.
00:17:12: Solche das wir als Gesellschaft sehr schwer tun sich mit dieser Art von Verlässlichkeit auseinanderzusetzen und Wir uns verweigern, in der Hinsicht, die mal anzuschauen und wirklich Lösungen zu finden.
00:17:30: Stattdessen gehen wir immer weiter in so ein Individualismus und in so eine Anti-Opferhaltung wo alle Leute eigentlich das nur das richtige Mindset brauchen und Gewinnertypen sein sollen sich durchsetzen sollten.
00:17:42: Das Recht des Stärkeren wird immer mehr betont.
00:17:45: gerade in den USA sagen aus Politiker auch explizit dass das Recht des stärkeren gilt wird uns, glaube ich nicht retten.
00:17:58: Das ist eine sehr schwierige Entwicklung und da wollte ich dieser Anti-Opferhaltung, die ich in der Gesellschaft wahrnehme, ein bisschen was entgegenwürzen.
00:18:07: Wir haben vor zwei Jahren einen Awareness Team aufgesetzt.
00:18:10: Es gibt ja Dinge, stichwort auch Übergriffe oder auch nur Kommentare, überhaupt Dinge, die passieren im Alltag, die vielleicht justiziable sind unmittelbar... die aber dazu führen, dass Menschen sich nicht wohlfühlen oder ausgeklänzt fühlen bis hin zu belästigt.
00:18:26: Und das ist für mich so ein kleines Beispiel wo man auf meinen Spiels umdrehen kann als so Mini-Gesellschaft, die ja so ein Festival irgendwie ist... ...zusagen wir kommunizieren aktiv und offensiv das Thema, dass wir das nicht wollen, sodass wir das sozusagen bestimmte Haltung einfach wirklich als Gastgeber forcieren möchten, weil es einfach nicht genug ist, den Leuten immer das dem Individuen zuzuschieben.
00:18:54: Und da war's dagegen zu tun halt ich für wichtig.
00:18:58: Danke!
00:18:58: Ich find's
00:18:58: auch?
00:18:59: So kleinzeitig, wo man Macht hat.
00:19:02: Was ich verstehen kann, was glaube ich oft so ein Frust in dieser Anti-Opferhaltung ist, dass sich Leute mehr Verantwortungsübernahme wünschen und mir geht es auch so.
00:19:12: Ich wünsche mir auch, dass die Leute mehr Verantwortung übernehmen.
00:19:17: Aber ich sehe das halt nicht anders als bei vielen Leuten, die quasi von der konservativen Seite aus argumentieren, dass sie finden.
00:19:24: Es sind gerade die, weiß ich nicht ... Die marginalisierten Gruppen, die queeren, die Nicht-Weißen, die Frauen, die behinderten, die irgendwie nicht die Verantwortung übernehmen für... Will ich das auf der anderen Seite?
00:19:39: Ich finde, die Anforderung, Verantwortung zu übernehmen Die vermisse ich woanders.
00:19:46: Erst mal da, wo die Macht liegt jedenfalls.
00:19:48: So würde man denken aber... Genau und die Verantwortung oder die Aktivierung von Verantwortung auch eben bei Opfern um das falsche Wort zu benutzen wird der dann auch starker leichter werden kultureller Kulturelles Umfeld geschaffen wird, wo das auch leichter wird sozusagen indem man eben dazu mal signalisiert ist es möglich überhaupt ... oft müssen ja Menschen gegen alle Milchendinge ankippen.
00:20:13: Also es hat auch was mit eben, da finde ich eben Kultur dann so wichtig... ... auch als Kulturalandschaft und auch künstlerischer Praxis,... ... weil sie ja so eine Art behaupten wir ja immer, ... ... ein visionäres Gesellschaftsspiel ist bisschen.
00:20:34: Was glaubst du kann Kunst- und Kultur beitragen um diese Themen?
00:20:38: Die großen Themen die du ansprichst!
00:20:41: Ja, dafür eine Besserung oder ein Diskursfeld.
00:20:45: Oder auch vielleicht einen Shortcut oder eine Plattform, wo der Verständigung ... Was können wir tun als Kulturlandschaft?
00:20:55: Du bist ja auch zu deinem weiteren Sinne Teil davon.
00:20:57: Ich
00:20:57: sehe, ich finde, Kultur ist eben nicht nur ... Das gehört auch ein bisschen zu dieser neuen Werte, dass man Kultur als Luxus gut sieht.
00:21:06: Als etwas was ... Wenn man sichs leisten kann wäre es okay dann schön.
00:21:10: und aber wenn die Zeiten härter werden, geht das nicht mehr.
00:21:14: Es geht komplett gegen mein Verständnis von der Funktion von Kultur in Gesellschaften.
00:21:21: Der Kultur schafft Räume wo man zusammenkommt, es schafft Reflexionsräume sich mit Geschichten auseinanderzusetzen, mit Kunst auseinandersetzen.
00:21:33: Mit Themen auseineinander zu setzen und gemeinsam bewegt zu sein.
00:21:38: Sich auch das übertragen zu können, bestimmte schwierige Themen übertragend zu können auf Geschichten, die einem erzählt werden im Kino ... Ja quasi
00:21:49: wie so eine Virtualisierung von anderen ... möglichen Realitäten.
00:21:56: Genau!
00:21:56: Das ist auch das Tolle, wir sind ja manchmal schon festgefahren in unseren Identitäten und Streitigkeiten und Verfassungen.
00:22:04: Das will ich also.
00:22:04: eine riesige Chance, dass man sich selbst etwas anderes spielen kann.
00:22:11: In dieser Gesellschaft, die finde ich auf unterschiedlichen Ebenen versucht uns abzustumpfen und ein bisschen taub zu machen gegenüber dem was passiert, finde essentieller Gegenmaßnahme bewegt zu bleiben.
00:22:27: Auch Schönheit zu finden, so kitschig das klingt, aber Dinge auch Schönheit identifizieren.
00:22:34: Das sind alles Dinge die wahnsinnig wichtig sind.
00:22:39: Ich finde man sagt ja oft... Klassik geht auch mit Orchestern einher.
00:22:44: Man sagt oft, dass es alles hat was sehr autoritäres und so der Dirigent, der da oben steht und das Orchester was zu spielen muss.
00:22:51: Ich finde man kann es auch anders sehen.
00:22:53: ich finde man Kann auch sehen dass da Gruppen zusammenkommen unterschiedliche Fähigkeiten die zusammen kommen um Gemeinsam harmonie zu erzeugen Und die das alleine nicht könnten.
00:23:07: also dieses zusammen dieses dieses Projekt des Zusammenspiels für mich was Wahnsinnig Schönes und auch Zukunftsweisen das hat.
00:23:19: Und wie man dirigiert, kann sehr unterschiedlich sein.
00:23:21: Man muss nicht die Leute treiben und zwingen
00:23:24: usw.,
00:23:26: es kann auch ein Austausch sein und so weiter.
00:23:29: also ich finde auch darin liegt etwas Total Schönes abgesehen davon diese ganze Analogie, die in diesen digitalen Zeiten wo wir uns irgendwie von so physischen Räumen immer weiter entfernen.
00:23:46: Total wichtig und all das ist glaube ich schon.
00:23:51: Also braucht eine Gesellschaft und es hat ne wichtige Aufgabe.
00:23:57: Es ist eben nicht nur Luxus und nice to have.
00:24:02: Ja
00:24:02: unbedingt also ich glaub sogar dass es im Wert steigt weil in dem Maße, wie wir uns ja auch vereinsamen.
00:24:09: Das ist ja auch eine endemische Krankheitbild der heutigen Zeit das Menschen einfach sehr viel einsam sind weil sie sich so vereinzeln in ihren digitalen Sphären.
00:24:22: und da Orte zu schaffen wo man zusammenkommt was er lebt sich synchronisiert emotional oder eben auch streitet und dass auch machen kann sozusagen im öffentlichen Kontext, das ist immens viel wert und deswegen auch toll dass du dabei bist als mit unserem Erfnungsvortrag am vierten September.
00:24:45: Wir haben dann weitere Achtzig Neunzig Veranstaltungen also viel Anlass um zusammenzukommen.
00:24:51: Ja!
00:24:51: Freu mich sehr, dass du da bei bist.
00:24:53: wir nähern uns unseren letzten Schluck glaube ich.
00:24:56: Danke, danke Alice.
00:24:58: vielen Dank und Tollere Barbeis auf Zoll.
00:25:05: Die Podcast ist powered by Deutsche Telekom.
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