Kit Armstrong & Jan Caeyers, warum ist Mittelmäßigkeit bei Beethoven tödlich?
Shownotes
Im Gespräch mit Intendant Steven Walter erzählen Kit Armstrong und Jan Caeyers alles Wissenswerte über ihre Zusammenarbeit und ihr Riesen-Zyklusprojekt. Wie Kit sich in Beethovens Kopf hineinversetzt, wenn er Bach spielt, und warum Jan für Beethoven ein eigenes Orchester gegründet hat, erfahrt ihr in dieser Folge.
Kit Armstrong & Jan Caeyers live im Festival erleben – am 12. & 13.9. mit dem Orchester Le Concert Olympique in der Beethovenhalle Bonn. Jetzt Tickets sichern: https://bit.ly/KitArmstrong_LeConcertOlympique
Kit Armstrong und Jan Caeyers im Interview über Beethoven27 – nachzulesen in unserem Magazin: https://bit.ly/Paradigmenwechsel_Beethoven27
Transkript anzeigen
00:00:13: Herzlich willkommen zum Start der neuen Staffel unseres Beethovenfest Podcasts.
00:00:17: Wir haben zum Auftakt natürlich direkt einen besonderen Gast und vielmehr zwei besondere Gäste, das ist wirklich ein Luxus in diesem Format.
00:00:24: Das hatten wir glaube ich noch nie und es sind zwei Personen die eigentlich ja muss man sagen Superstars der Beethovenwelt sind.
00:00:33: Jan Kajas braucht eigentlich keine Vorstellung.
00:00:37: Es ist jemand der mich persönlich sehr geprägt hat mit dem Ich muss sagen, Referenzwerk, das in dem Jahr die Biografie über Beethoven veröffentlicht wurde.
00:00:47: Ein absoluter Coiffee der Beethoven-Wissenschaft aber auch interessanter Musiker.
00:00:53: Er hat ein Orchester gegründet und sich Beethoven widmet.
00:00:56: Darüber werden wir reden und insgesamt ein großer Experte auf diesem Fach.
00:01:02: Wir haben außerdem Kit Armstrong hier, gern und oft gesehener Gast beim Beethovenfest.
00:01:09: Er sehr besonders sucht seinesgleichen, würde ich sagen.
00:01:13: Als Musiker aber eben auch als sehr vielseitiger Musiker-Organist, Komponist und vieles weiteres.
00:01:19: Mehr auch außerhalb der Musik!
00:01:21: Wir freuen uns sehr dass wir so intensiv in den nächsten Jahren mit euch beiden zusammenarbeiten dürfen.
00:01:27: hier beim Beethoven Fest.
00:01:28: ein Projekt kommt ihr her, worüber wir reden werden das vor allem hierher gehört denke ich.
00:01:34: Aber erstmal herzlich willkommen Kit & Jan.
00:01:38: Wir haben eine Einstiegsfrage, die immer die gleiche ist.
00:01:41: Was habt ihr zuletzt gehört?
00:01:43: Die letzte Musik, die durch eure Hörkanal Kanäle gegangen ist... Da gibt es keine falsche Antwort!
00:01:49: Das könnte Lady Gaga oder Beethoven sein.
00:01:52: Ich
00:01:53: mein dadurch das was wir heute aufnehmen zu einem anderen Zeitpunkt ausgestrahlt wird kann ich nur aus der jetzigen Perspektive antworten und ich glaube dass wir haben beide dieselbe Antwort.
00:02:05: und da ist die zweite Sinfonie von Beethoven.
00:02:09: Wir haben nämlich gestern in der Elbphilharmonie in Hamburg ein Konzert gemeinsam gegeben und das war das letzte Werk auf dem Programm.
00:02:18: So ist es, eigentlich nicht!
00:02:21: Ich muss
00:02:22: korrigieren wie aber er als Zugabe noch den letzten Satz aus der ersten Sinfonie gespielt also theoretisch Sinfonien eins Beethoven
00:02:31: Die zweite Sinfoni oder sagen wir mal die ersten beiden Sinfonies von Beethoven Overrated oder Underrated?
00:02:38: in der Gesamtheit des symphonischen Outputs von Beethoven.
00:02:44: Ich wüsste gar nicht, dass man heute noch versucht sie zu bewerten.
00:02:48: Ja
00:02:49: aber wird es zu wenig gespielt oder zu viel?
00:02:53: Oder kann man das gar nicht zu viel spielen?
00:02:55: Es hängt davon ab wie man sich spielt.
00:02:56: Das ist eine gute
00:02:57: Antwort glaube ich!
00:03:00: Hat mehr Fallhöhe vielleicht als die
00:03:02: anderen?
00:03:03: Der Punkt ist natürlich... Symphonie, die wenn man sie vergleicht mit zum Beispiel Eroika oder Fünftesymphonie.
00:03:12: Die Eroica und die Fünfte Symphonien auch wenn man Sie weniger gut spielt und weniger intelligent spielt haben die eine gewisse Wirkung.
00:03:22: Die zweite kann sehr schnell sehr banal sein vor allem erste und letzte Satz.
00:03:30: Und dann braucht man sehr viel Intelligenz um die Gefahr der Bannerität umzugehen, also zu vermeiden.
00:03:46: Eine für mich ganz interessante Anekdote aus einem Gespräch mit einem Orchestermusiker war auch gestern in der Pause.
00:03:57: Also dieser Orchester Musiker ist Mitglied des Konzerts Olympique aber auch von einem sehr namhaften Orchester in Europa und er sagt, er freut sich besonders darauf die fünfte Sinfonie zu spielen.
00:04:14: Denn er habe diese seit fünfundzwanzig Jahren nicht gespielt Und das finde ich irgendwie sehr interessant weil diese Sinfonien natürlich einfach ein ikonisches Werk in der europäischen Kultur also in der heutigen Kultur ist.
00:04:30: Also wer kennt diese ersten vier Töne nicht?
00:04:34: Und dass jemand, der in einem der führenden Orchesterien Europa das Werk... ...von zwanzig Jahre lang nicht gespielt hat.
00:04:43: Das ist auch...
00:04:44: Deswegen würde ich sagen, in meiner Wahrnehmung ist es sozusagen underrated, weil es wird auch wenig angeboten.
00:04:51: Aber es scheint irgendwie auf Papier so absurd zu sein, die fünfte Sinfonie von Beethoven sei unterbewertet?
00:04:59: Ja klar!
00:05:00: Ist doch wirklich so, dass Beethoven den Ruf hat dass man ihn viel spielt.
00:05:06: Wahrscheinlich spielt man ihn sehr viel, aber zum Beispiel die erste zwei oder sogar die erste drei Klavierkonzerte, die hört man kaum.
00:05:16: Das stimmt
00:05:16: ja.
00:05:18: Und dann rede ich auch über die mehr unbekannte Sinfonie.
00:05:23: Eins, zwei, vier, acht spielt man relativ wenig.
00:05:30: Übrigens, wie man auch sehr wenig heite Symphonie spielt.
00:05:33: Ja ja, gibt es auch noch viele Gems die unentdeckt sind.
00:05:36: Absolut!
00:05:38: Euch vermindert ihr eine enge künstlerische Partnerschaft?
00:05:41: Wie kam das zustande?
00:05:43: Wo habt Ihr euch kennengelernt und was Klick gemacht?
00:05:47: Wie passiert so etwas?
00:05:50: Ich habe ein ziemlich gutes Gedächtnis für Musik also ich kann... ziemlich genau sagen, was uns auf musikalischer Ebene verfindet.
00:05:59: Aber ich habe ein sehr schlechtes Gedächtnis für Daten und historische Geschehnisse.
00:06:05: Da will ich übernehmen!
00:06:07: Es ist so dass Kit war viel zu Gast im Konzerthaus in Wien Und irgendwie hat er sich da beschwert ein bisschen plakativ gesagt selten auf eine gut Art und Weise Beethoven-Klavikkonzerte spielen kann.
00:06:36: Ich finde, in irgendeiner Weise hat er so was gesagt.
00:06:40: Und dann haben die Leute suggeriert okay vielleicht lohnt es sich um einmal mit der Konzerne Pikund Janker zusammenzukommen?
00:06:47: Und die Idee war das wie im Juni zusammenkommen würden.
00:06:57: Leider ist es durch Corona schiefgegangen und dann haben wir ein halbes Jahr später doch das Nachgeholt mit einer kleinen Tournee in Belgien, und das war eigentlich die erste Begegnung.
00:07:14: Und wenn ich fragen darf, Kit was ist das Problem weswegen es schwer ist, wiederum Konzerte gut zu spielen oder welches?
00:07:22: Welches Problem muss der Jan für dich lösen?
00:07:26: Mein Ziel oder meine Vorstellung eines Konzertes ist nicht allein auf Darbietungen fokussiert.
00:07:38: Natürlich ist die Darbitung wichtig und das ist sozusagen ... Das E-Trip oder wie immer man das nennen möchte, aber eigentlich muss ein fundiertes grundsätzliches Wissen verfügbar sein, bevor man überhaupt über die Darbietung spricht.
00:08:02: Und das ist natürlich seitens der Musiker sehr wichtig aber ich finde auch seitens des Publikums.
00:08:11: Wenn ich Musik höre oder wenn ich möchte dass jemand Musik hört, möchte ich eigentlich in erster Linie, dass etwas von der Musik versteht und durch dieses Verständnis oder sogar anhand des Verständnisses kann er durch die Musik berührt werden.
00:08:32: Und das ist, glaube ich eine Einstellung, die wir gemeinsam haben und die wir auch zu einem Anspruch machen den wir während unserer Konzerte einlösen indem wir versuchen dem Publikum Elemente nahezubringen, die für das jeweilige Stück wichtig sind.
00:08:55: Das haben wir bereits bei der ersten Tournee, die Jan gerade angesprochen hatte gemacht indem wir das erste Klavierkonzert von Beethoven, welches auf dem Programm stand vor jeder Vorstellung fünf zehn Minuten lang auseinandergenommen haben und sozusagen thematisch natürlich auch auf einer sehr zugänglichen Ebene erklärt und offengelegt, wie genial Beethoven war.
00:09:33: Aber wenn ich dazu etwas sage darf, geht es natürlich ein gewaltiger Pianist der aus Spielen kann aber er ist in erster Linie auch Komponist das heißt Wenn der ein Klavierkonzert spielt, dann komponiert er in die gleiche Seite ein Stück.
00:09:58: Und das ist natürlich eine Methodik, die ich sehr interessant finde...
00:10:05: Auch Beethoven nahe?
00:10:06: Weil gerade bei Beethoven ist es unheimlich wichtig!
00:10:10: Das kann ein bisschen theoretisch klingen aber was wir gemein haben Die halbe Stunde, die ein Klavierkonzert dauert, dass wir beide das Ganze in unserem Kopf haben.
00:10:31: Fast als eine Sekunde.
00:10:34: Ein Bild und wenn wir das spielen sind wir immer irgendwo in diese eine Sekunden Und deswegen müssen wir eigentlich relativ wenig reden, wenn wir proben.
00:10:50: Weil wie das Gefühl, diesen Sechste Sinn für Strukturteile.
00:10:58: Ja super!
00:10:59: Da ist es wirklich eine besondere Begebenheit im Universum wenn zwei Menschen sich so begegnen auf so einer Welle.
00:11:08: Es ist auch eine unglaubliche Begebenkeit was wir in dieser amtländischen Kunstmusikstraddition haben.
00:11:17: Das für uns... auf der ausführenden Seite sozusagen Zeit und Raum, ja das Gleiche sind.
00:11:25: Dass sich diese Informationen so manifestiert
00:11:28: hier?
00:11:28: Und dass gerade deshalb es uns möglich ist dem Publikum ein Erlebnis zu vermitteln wo Zeit- und Raum getrennt sind also das Publikums erlebter Stück natürlich einton nach dem anderen.
00:11:44: Aber durch diesen Überblick, über den die Musiker verfügen entsteht ein Erlebnis was dann wirklich in der Lage ist einen Menschen, der vorher das Stück nicht gekannt hat von dem einen Ende zum anderen Ende zu fügeln.
00:12:04: Und da muss ich wenn ich noch etwas für mich selbst sage... Ich studiere die Klavierkonzerte, also die Diggents Genau so die gleiche Art und Weise für die Symphonie.
00:12:17: Also, ich kenne sie genau auswendig.
00:12:21: Ich habe genau die gleichen Kontrolle über die Struktur in den Details.
00:12:26: Und das hoffen wir, dass es für ihn doch ein gewisses Komfort gibt...
00:12:32: Eine Inspiration!
00:12:37: Ein Gewissheit, aber das Gefühl, dass wir gemeinsam etwas kreieren.
00:12:43: Das was wirklich mühsam ist, wenn ein Dirigent in die Arbeit mit der Einstellung geht, wollen wissen ob der Pianist an irgendwelchen Stellen etwas Seltsames machen.
00:13:00: Und ... er wolle bei diesen Stellen gut begleiten und
00:13:05: mitgehen.".
00:13:07: Das ist natürlich eine gängige Einstellung, und viele Solisten würden sogar sagen, das macht die Zusammenarbeit mit einem Dirigenten angenehm.
00:13:17: Ja, das finde ich überhaupt nicht!
00:13:18: Das ist so mühsam innerhalb einer Pianistenkarriere, dass ... bei dem Stück machen zu müssen.
00:13:27: Wie schaut die Praxis aus?
00:13:29: Ein Orchester hat eine gewisse Probezeit, der Dilegent fängt an mit einer großen Symphonie und am letzten Tag
00:13:43: kommt
00:13:43: dann oder am Vormittag des Konzerts einmal das Konzern durchspielen ohne Schwierigkeiten.
00:13:50: Und was sind die besonderen Perks.
00:13:53: Und dann ist es eine Sache, um die drei vier Stellen, die wir alle kennen, um sie dann gemeinsam zu machen.
00:14:00: und damit ist aus.
00:14:03: Meistens wird das ein bisschen kaschiert dadurch, dass die Solisten natürlich so brillant sind, dass das Publikum kaum merkt, dass es eigentlich überhaupt nicht vorbereitet ist.
00:14:15: Ja auch noch nicht irgendwie keine Passung da ist oder kein echtes künstlerisches Meeting of Mind, was hier auf jeden Fall der Fall
00:14:24: ist.
00:14:24: Aber das Erstaunliche dabei ist dass das Ergebnis oft selbst aus Experten Sicht nicht so schlecht ist und das ist natürlich der Genialität der jeweiligen Kompositionen zu verdanken.
00:14:38: Unkaputtbar!
00:14:41: Also ihr seid so tief drin Und ihr seid solche, sagen so vertieft in der Materie und ihr sagt ja auch das ist wichtig dass man dieses Wissen hat weil daraus er schließt sich ein Werk für den Publikum.
00:14:54: Dennoch als Veranstalter gesprochen wir müssen ja versuchen Beethoven erstmal allen möglichen Menschen mit allmöglichen Wissensständen zugänglich zu machen.
00:15:05: Das Tolle bei euch oder bei diesem Projekt ist ja auch dass sie das auf vielfältige Weise ihr habt es gesagt machen wollt.
00:15:10: also mit so einem Podcast mit verschiedenen anderen Formaten ganz niedrigschwellig Bisschen zu sehr tief.
00:15:17: Ich möchte noch mal auf dieses Orchester eingehen, dass... Also er erzählt ja von diesen olympischen Unterfangen Beethoven auf diese Weise zu interpretieren.
00:15:30: Musstest du dein eigenes Orchester gründen um das machen zu können?
00:15:34: Offensichtlich schon.
00:15:36: oder was ist der Hintergrund von diesem Orchester und warum gibt es das?
00:15:41: Es gibt ja viele gute Orchester.
00:15:45: Ich will versuchen, das mit gewisser Zurückhaltung zu sagen.
00:15:53: Weil ich möchte eigentlich an sich nichts Negatives sagen über die Großinstitutionen.
00:15:59: Aber ich glaube dass wenn man so ein Apparat hat für ein Orchester wo in dem Fall vierzig-fünfzig Leute zusammenkommen einen direkten Zusammenhang gibt zwischen wie man organisiert ist, wie man sich untereinander benimmt.
00:16:22: Wie man arbeitet und was dann letztendlich rauskommt.
00:16:28: Die große Orchester oder die übliche Institutionen haben eine gewisse Methodik, die sich entwickelt hat seit mittlerweile mehrere Decennien.
00:16:45: Eigentlich kann man sagen, es geht zurück zwischen den beiden Kriegen.
00:16:52: Vor allem die Rundfunkokäste haben da sehr viel Böse gemacht sogar.
00:16:59: Die haben eine Methodik, womit sie eigentlich alle Musik angehen.
00:17:08: Das heißt, die am Montag kommen die und setzen sich hin... Irgendwann auf derselben Art und Weise setzt sie sich in.
00:17:15: Und wenn es nur eine Beethoven-Symphonie gibt, und wenige Bläser gibt, dann sitzen eigentlich die Leute auf der selbe Stelle, wo die dann auch sitzen, wenn die eine Mahler-Symphonie spielen.
00:17:26: Dann kommt ein Dirigent und er hat eine Methodik, die sowohl effizient ist bei Beethoven, Mahler, Debussy als Kurtag.
00:17:39: Das ist eine Methodi.
00:17:41: als ob ein Maler einen Pinsel hat.
00:17:45: Und ich glaube, ich bin fest davon überzeugt, dass man eigentlich fast für jede Komponist eine eigene Arbeitsmethodie entwickeln muss.
00:17:59: und mittlerweile kann ich sagen so wir haben ein Konzern-Pick in den Jahr zwei tausendzehn gegründet und nach fünfzehn Jahren eigene Grammatik, wie wir mit dieser Musik umgehen.
00:18:15: Es sind fast auch immer die gleichen Leute, die gleiche Konzertmeister, gleichste Oboa und so weiter.
00:18:20: Also die wissen mittlerweile sehr genau welche Vorstellung ich habe und mehr noch eigentlich... Mit der Erfahrung hab' ich sogar unsere Methodik noch verfeinert.
00:18:35: Wenn ich morgen ans Gast dirigent meinem Orchester kommen, dann ist es erst das Sache dass ich sympathisch bin.
00:18:45: Dass die mich gut finden.
00:18:48: Weil ich möchte natürlich eine neue Einladung bekommen.
00:18:51: Im schlimmsten Fall möchte ich sogar Chef-Diligent werden von einem solchen Orchester.
00:18:55: Das heißt ich bin schon in einer Situation wo ich anfangen muss zu verhandeln.
00:19:02: wie machen wir das hier?
00:19:04: Und dann ist natürlich so wenig wie möglich Schwierigkeiten bekommen und dann muss man eigentlich Kompromisse machen.
00:19:14: Oder die meisten, die Diggente wissen sogar nicht mehr dass sie Kompromise machen.
00:19:19: Die kommen einfach...
00:19:21: Das ist einfach
00:19:23: der Job!
00:19:24: Und wenn die Leute sehr geschickt sind, schaffen Sie das auch?
00:19:28: Ich muss ganz ehrlich sagen ich habe riesige Bewunderung für solche Typen ... die diese Woche eine Malersymphonie dirigieren, am Samstag ein Konzert haben.
00:19:42: Am Sonntag nach Los Angeles fliegen und als justa covid dirigieren drei Tage später zurückkommen... ...und eine Verdi-Oper dirigieren.
00:19:49: Momentan kann!
00:19:52: Ja und dann auch überall die angebotene Mittelmäßigkeit zu einer höheren Mittelmäßigkeit zu erheben ist?
00:19:59: Ja absolut!
00:20:00: Es gibt
00:20:00: ja auch Leute das wirklich sehr
00:20:02: gut können.
00:20:02: Es
00:20:04: ist sehr
00:20:05: beeindruckend.
00:20:06: Dennoch ergibt es für mich jetzt unmittelbar Sinn, warum man etwas Spezifisches gerade auch zu einem Beethoven zum Beispiel
00:20:13: machte.
00:20:14: Das ist der Punkt dass gerade bei Beethoven Mittelmäßigkeit tödlich ist.
00:20:23: wenn es ein Komponist gibt wo man sich nicht ertragen kann ist das Beethoven obwohl die Mehrheit der Aufführungen ... mittelmäßig sind.
00:20:34: Ja,
00:20:36: also niemand verliert mehr oder andersrum gewinnt mehr durch Exzellenz?
00:20:41: Absolut!
00:20:41: Und dann kommt noch dazu... ...durch die Tatsache dass wir da ein Projektorchester sind und nur einige Male im Jahr zusammenkommen... ...kommen die Leute hierher mit einer völlig anderen Einstellung.
00:20:56: Die wollen das.
00:20:57: Die Wollen das ja!
00:21:00: Die wissen voneinander was wir das alle willen was wir alle wollen und die Motiviere einander, um diese Exzellenz zu bekommen.
00:21:11: Dieses
00:21:13: Genre historisch informierte Aufführungspraxis... Was macht das mit euch?
00:21:18: Ist das das, was ihr da macht oder ist es gar nicht so das Thema?
00:21:23: Und wie steht ihr dazu?
00:21:24: Es ist ein wichtiger Punkt.
00:21:28: Zuerst muss ich sagen also ich komme aus Belgien Und in Belgien gab es einige Regionen in Europa, wo die historische Praktik entstanden ist.
00:21:41: Ansonsten lappten die Bande mit der Familie Kijkern.
00:21:44: Das waren Nachbarn für mich.
00:21:46: Ich habe das noch erlebt wie die zum ersten Mal ... mit diesen Darmschnaren experimentiert haben.
00:21:56: Und diese andere Haltung der Geige, ich habe das sehr intensiv erlebt.
00:22:01: Epizentrum eigentlich?
00:22:02: Ja, das war wirklich so!
00:22:04: Mit einem gewissen Fanatismus und dochmatismus was es dazu gehört.
00:22:09: Wie immer bei den Bewegungen
00:22:10: ja.
00:22:12: Wichtig war dass die Leute erstens die waren gut informiert aber zweit es war die sogenannte historische Ausführungpraxis ein... Alibi, um frei zu sein.
00:22:23: Also ein Typ, so Hardon Kuhl, der hat immer große Geschichte erzählt und war sehr informiert.
00:22:29: Ab Ende war das vor allem an Archist.
00:22:32: Ja ja,
00:22:32: stimmt ja.
00:22:34: Und ich selber habe auch alle diese Traktate gelesen.
00:22:38: Ich weiß ganz genau ab welchem Moment in den Geschichten man Spicato benutzt und wenn nicht... was die, ich kann eine Partitur lesen und schauen ob es überhaupt steht.
00:22:54: ein Punkt aber das ist nicht kurz aber bedeutet etwas anderes.
00:22:59: Aber letzten Endes ist das bei mir integriert in einer Vision
00:23:04: um frei zu sein.
00:23:06: Um vor allem die Einsichte die ich habe über Gestaltung, über Struktur über Rhetorik und das zu machen.
00:23:20: Und wie siehst du, dass es geht?
00:23:21: ist das Thema für dich?
00:23:24: In der klassischen Musik haben wir sozusagen einen ungeschriebenen Vertrag mit der Vergangenheit nämlich wir wollen nichts machen was demonstrierbar falsch ist.
00:23:39: Wir verändern die Töne nicht.
00:23:41: Wir spielen die Partituren wie Sie sind nicht nur, weil wir sie so am besten finden.
00:23:53: Aber weil wir die Erfahrung stets machen, dass in dem wir uns daran halten entsteht... sehr oft Großartiges, worauf wir selber nicht gekommen wären.
00:24:08: Und deshalb hat das für uns dann auch einen unbestreitbaren Wert
00:24:14: und sind heilige Schrift sozusagen.
00:24:17: Ja, auch wenn wir einiges nicht verstehen.
00:24:22: Aber natürlich müssen unserem Geschmack folgen und unseren heutigen persönlichen Geschmacks.
00:24:30: Und es gibt in jeder Aufführung jede Menge Sachen, die in diesem Sinne sozusagen falsch sind oder unhistorisch oder anachronistisch anzusehen sind.
00:24:49: Und ich denke auch bei uns, auch wenn wir zum Beispiel wissen dass es im achtzenten Jahrhundert nicht so gespielt wurde machen wir es trotzdem weil das zu unserer Vision gehört und vor allem für uns wichtigere Sachen gibt als diese kleinsten Details.
00:25:14: Es gibt eine größere Vision, es gibt eine Botschaft und indem wir diese Botschaft nach besten Gewissen verstehen und vermitteln wollen ergeben sich andere Details.
00:25:28: Und auch da finde ich ist fast eine Definition von Kunst oder Musik als Kunst wenn sie so verschiedentlich künstlerisch ausgedrückt werden kann.
00:25:38: Und sei es auf modernen oder historischen Instrumenten, oder ein Kind Pfeifters am Strand im Maribu... Also sagen große Musik hat diese Fähigkeit, oder?
00:25:50: Die ist das zu transcendieren eigentlich!
00:25:54: Ja ich möchte um der Zufolge des Sages so... Es gibt in der Welt klassische Musik und gerade auch bei Dirigent dieses Phänomen Werktreue Die Frage Werktreue und Authentizität.
00:26:09: Das sind zwei Begriffe, die mit Dirigenten immer schon blieben.
00:26:16: Ich habe in Wien studiert.
00:26:19: Das war die große Swarovski Schuhe.
00:26:21: Und der Werktreuer war das große Adagium.
00:26:28: Man hat die Partitur und man soll die Objektiv gestalten.
00:26:32: Das heißt die schwarze und weiße... Punkte online und dann muss man umsetzen.
00:26:38: Und das war tödlich, langweilig.
00:26:47: Was ist denn Authentizität in dem Kontext?
00:26:52: Da bin ich vielleicht ein bisschen arrogant als die Gefahr, dass ich übermutig bin, wenn man sehr jahrelang mit diesen Musik-Sprachen beschäftigt ist, dann ist die Sprache vertraut und kann man es sich leisten
00:27:13: um
00:27:14: intuitiv gewisse Sachen zu machen.
00:27:16: Und wenn du weißt ob es überhaupt historisch ist oder nicht ich kann es nicht
00:27:22: eine Sprache
00:27:24: aber mir scheint es logischer sein innerhalb dieser Sprachen und das heißt doch ein bisschen Erfahrung und Vertraut hat mit der Sprache.
00:27:34: Und deswegen, man fragt mich immer ja so, diese Fokussierung auf einen Komponist oder eine Zeit, also Beethovenszeit ist das keine Grenzzug oder nicht die Verengung.
00:27:52: Anders sage ich, es ist so ein Geschenk dass ich immer wieder tiefe und tief in diese Musik komme.
00:28:00: Man kann durch diese Sprachen mehr beherrschen.
00:28:04: Und dann denke ich natürlich, was wir gestern das erste Klavierkonzert gespielt haben, würde es mich interessieren, was wird Beethoven sagen wenn er das gehört hätte?
00:28:16: Das wird wahrscheinlich Sachen gehört haben die ihr
00:28:19: nie
00:28:20: wollte oder was ihr nicht gedacht habt aber von der Seite sagt okay, schau mal
00:28:26: hier... Wir müssen noch abschließend ein bisschen über das Projekt selbst sprechen.
00:28:30: Wenn wir hier das veröffentlichen, dann ist das Programm auch draußen.
00:28:34: Wir freuen uns sehr, dass wir eines der wenigen Orte sind, wo die ganze Zyklus mit dem Projekt ...
00:28:42: Das
00:28:43: große Zyklus!
00:28:44: Alle neuen Sinfonien...
00:28:47: Ich meine neun Konzerte insgesamt, dreimal drei und die ersten drei davon dieses Jahr im Beethovenfest in der Beethoven-Halle mit Le Concert Olympique und Kid Armstrong.
00:29:01: Ihr verbindet das ja also die Klavierkonzerte, die Sinfonien auch mit Bach?
00:29:06: Was ist die Idee dahinter?
00:29:10: Es gibt glaube ich vielelei Verbindungen.
00:29:15: Die erste Verbindung ist dokumentarisch, also historisch dass es ein berühmtes Zitat von Beethoven gibt Das ist natürlich auch tiefgründige Realitätfuß, dass für ihn – also für Beethoven das Volteimperierte Klavier einer der größten Inspirationsquellen gewesen ist.
00:29:41: Also das Zitat läuft so in Momenten, als er nicht mehr wusste was er auf Papier bringen konnte.
00:29:49: Das schlug er, das wollte im Periodiker wie er auf und fand dort seine Inspiration.
00:29:58: Das ist ein Grund warum wir sozusagen diese Szene nachbilden wollen.
00:30:06: Ein anderer Grund ist die Hörgewohnheit des heutigen Publikums.
00:30:13: Und wir haben jetzt mittlerweile viele Konzerte gespielt in dieser Konstellation, also ein konzentrantes Werk von Beethoven und davor das dazu gehörige Angesichts der Tonalität Preludium und Vogel von Bach.
00:30:36: Diese Atmosphäre, diese Kommunikation die in solchen Momenten in den Konzertsälen entsteht ist wirklich was ganz Besonderes.
00:30:46: Also wir hatten jetzt zum Beispiel das C-Durm Preludium und Vogel zu dem ersten Klavierkonzert und es sind C-Mull zu dem dritten Klavierkonzern Und man hat wirklich den Eindruck Es ist Musikvermittlung als etwas zugleich freundliches, zugewandtes aber auch sakrales.
00:31:11: Man darf ja nicht vergessen dass in Grunde genommen unsere jetzige Konzertpraxis in dieser Zeit das ist ein bisschen als es eigentlich sehr merkwürdig.
00:31:28: wir leben in einer modernen Zeit mit viel Lärm Stress, Straßen, wenn die Leute ins Konzert kommen.
00:31:40: Welche Impulse bekommen die alle?
00:31:46: Wie leidet der Körper, wie leitet der Geist von all diese Impulse aus dem Anfang des XXI.
00:31:53: Jahrhunderts?
00:31:55: und dann versetzt sie uns zweihundert Jahre zurück
00:31:59: um
00:32:00: Musik zu hören oder Klängen zu hören die aus einem völlig anderen akustischen psychologischen Kontext kommen.
00:32:11: Ich meine, was ist laut?
00:32:13: Ein schönes Beispiel!
00:32:15: Was ist ein Fortissimo oder ein Forte bei Mozart?
00:32:20: Wenn man das dann zum Beispiel vergleicht
00:32:23: auch
00:32:24: mit einem Forte-Fortissime bei Schostakovich.
00:32:29: Wann ist noch ein ... was nicht laut bei Beethoven
00:32:34: fällt
00:32:34: also subjektiv, genau so laut wie bei Shostakovich.
00:32:42: Eigentlich stimmt das ja nicht.
00:32:44: Aber eigentlich nähern wir uns diese Musik an mit falschen Referenzen und dadurch ist es natürlich sehr schwer, um diese Musik gut zu hören.
00:33:03: Deswegen halten wir es für wichtig, dass die Leute in den Moment wo sie in den Saal kommen auf irgendwelche Weise die profane Welt und die profanen Referenz hinter sich lassen.
00:33:19: Und dann sind diese Prudiumfuge von Bach sehr brutale Mittel um den Geist zu fokussieren auf diese sehr subtile, klängliche, intellektuelle Details.
00:33:39: Als ob wir das Auge in der Nacht anders organisieren müssen als wenn es liegt.
00:33:48: Das
00:33:49: ist eine Orientierung oder eine Vergegenwärtigung quasi.
00:33:53: Ich habe kürzlich mit einem Chefkoch gesporen von einem drei Sterne Restaurant, die arbeiten ja genauso wie diesen Palette Cleanser.
00:33:59: so also zu schauen dass man wirklich irgendwie Präsenz schafft auch in den Sinnlich um wieder etwas neues schmecken zu können sozusagen.
00:34:10: ich bin wirklich davon überzeugt das hat es gestern wieder bewertet dieses CDU von Bach.
00:34:20: und dann kommt plötzlich, Anfang erstes Klavierkonzert bekommt eine irrsinnige Magie die man nie hat wenn man so brutal
00:34:34: damit
00:34:34: anfängt.
00:34:35: Kontext und der sinnliche Übergang.
00:34:39: also erfreu ich mich sehr darüber weil es genauso Sachen sind wie wir als Programmplaner auf total unterschätzen.
00:34:46: Was passiert eigentlich vor der Musik, was passiert zwischen der Musik?
00:34:51: Es ist
00:34:51: für uns unmöglich um die Musik von Beethoven noch zu erfahren wie man das Name in Beethoven zurzeit gemacht hat.
00:35:00: Deswegen sind auch die Begrenzungen der autentischen Aufführungspraktik... Wir brauchen ein
00:35:03: Portal und dafür
00:35:05: ... Ja ich meine es ist ein Verbrechen
00:35:11: um
00:35:12: Bach zu spielen auf modernen Instrumenten.
00:35:16: Dann ist es auch kein Verbrechen, um Bach in einem grossem Saal
00:35:22: zu spielen.
00:35:23: Wir sind alle kontaminiert von Zivilisation.
00:35:26: Ja, ich finde eigentlich es ist noch mehr ein Verbrechen Rachmaninoff so zu spielen wie man ihn heutzutage spielt weil wir ganz genau wissen wie er gespielt hat.
00:35:34: Wir wissen nicht ganz genau wie Bach gespielt hatte.
00:35:36: deshalb dürfen wir sogar etwas ...
00:35:39: Das stimmt
00:35:40: ja
00:35:41: gerade in Bach hat da schon vieles überlebt an Verbrechern.
00:35:45: aber Dieses Format und wir freuen uns wirklich sehr darauf, es präsentieren zu dürfen.
00:35:51: Drei Mal jetzt im September am Beethovenfest an zwei aneinander folgenden Tagen also auch das ein echtes... Ein Wochenende in der Festival-in-Festival fast schon!
00:36:01: Wir freuen uns sehr dass ihr dabei seid.
00:36:03: Get thumbs down Jan Kajas und Le Concert Olympique.
00:36:07: eine dringende Empfehlung jetzt wenn man das hört, Karten zu besorgen denn sie sind endlich.
00:36:14: Es wird aber weitergehen in den siebenundzwanzig, nochmal zweimal zu Gast und so mit dem ganzen Zyklus über zwei Jahre.
00:36:21: Mit allen Klavierkonzerten, allen Sinfonien und dem wohltemperierten Klavier von Johann Sebastian Bach.
00:36:26: Vielen vielen Dank dass Sie hier im Bonn in Mecca Beethoven's hoffen wir doch
00:36:34: in Konkurrenz
00:36:35: zu Wien.
00:36:36: Aber wir versuchen eben auch hier die tollsten Projekte zu zeigen Und das ist sicherlich eines aktuell.
00:36:41: Vielen vielen dank für eure Zeiten fürs Vorbeikommen.
00:36:43: Wir bedanken uns für den schönen Empfang.
00:36:44: Dankeschön, bis bald!
Neuer Kommentar